{"id":2753,"date":"2019-12-09T07:22:56","date_gmt":"2019-12-09T06:22:56","guid":{"rendered":"https:\/\/www.brettl.at\/blog\/?p=2753"},"modified":"2024-09-02T17:34:58","modified_gmt":"2024-09-02T15:34:58","slug":"magyarisierungsdruck-in-der-schule","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.brettl.at\/blog\/magyarisierungsdruck-in-der-schule\/","title":{"rendered":"Magyarisierungsdruck in der Schule"},"content":{"rendered":"<div class=\"fusion-fullwidth fullwidth-box fusion-builder-row-1 nonhundred-percent-fullwidth non-hundred-percent-height-scrolling\" style=\"--awb-border-radius-top-left:0px;--awb-border-radius-top-right:0px;--awb-border-radius-bottom-right:0px;--awb-border-radius-bottom-left:0px;--awb-flex-wrap:wrap;\" ><div class=\"fusion-builder-row fusion-row\"><div class=\"fusion-layout-column fusion_builder_column fusion-builder-column-0 fusion_builder_column_1_1 1_1 fusion-one-full fusion-column-first fusion-column-last\" style=\"--awb-bg-size:cover;--awb-margin-bottom:0px;\"><div class=\"fusion-column-wrapper fusion-flex-column-wrapper-legacy\"><div class=\"fusion-text fusion-text-1\"><p>Nach dem Ausgleich 1867 zwischen \u00d6sterreich und Ungarn verst\u00e4rkte sich der Magyarisierungsdruck, der die sprachlichen und kulturellen Rechte der Nationalit\u00e4ten in Ungarn erheblich einschr\u00e4nkte bzw. zum Teil sogar verletzte. Das Schulgesetz von 1879 f\u00fchrte Ungarisch als Pflichtfach in allen Schulen ein. Durch das Mittelschulgesetz 1883 wurden die Gymnasien und Realschulen unter staatliche Kontrolle gestellt bzw. die Lehramtskandidaten mussten ihre Staatspr\u00fcfung in ungarischer Sprache ablegen. Um die Jahrhundertwende erh\u00f6hte die Regierung noch den Druck zur Magyarisierung der nichtmagyarischen Volksgruppen. Den H\u00f6hepunkt fand diese 1907 mit der Lex Apponyi, wobei nun der Unterricht auf die ungarische Sprache umgestellt werden musste und die Lehrer nach dem \u201eErfolg\u201c gemessen, bezahlt bzw. entlassen wurden.<br \/>\nKarl Weber aus Lutzmannsburg beschreibt seine Schulzeit folgenderma\u00dfen:<br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.brettl.at\/wp-content\/uploads\/2019\/12\/schule.jpg\"><img decoding=\"async\" class=\"alignleft size-medium wp-image-2754\" src=\"https:\/\/www.brettl.at\/wp-content\/uploads\/2019\/12\/schule-300x129.jpg\" alt=\"schule\" width=\"300\" height=\"129\" srcset=\"https:\/\/www.brettl.at\/wp-content\/uploads\/2019\/12\/schule-200x86.jpg 200w, https:\/\/www.brettl.at\/wp-content\/uploads\/2019\/12\/schule-300x129.jpg 300w, https:\/\/www.brettl.at\/wp-content\/uploads\/2019\/12\/schule-400x172.jpg 400w, https:\/\/www.brettl.at\/wp-content\/uploads\/2019\/12\/schule.jpg 559w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a>\u201e[\u2026] Im Jahre 1912 trat ich das erste Mal in die evang. Volksschule in Lutzmannsburg. Es war damals auch eine kath. Volksschule in unserem Orte. In dieser Zeit geh\u00f6rten wir ja noch zu Ungarn und so trug unsere Schule nicht vielleicht die Aufschrift \u201aEvang. Volksschule\u2018 in deutscher Sprache, mit gro\u00dfen Buchstaben stand auf einer Tafel in ungarischer Sprache: \u201aEv. N\u00e9piskola\u2018. So wie die \u00dcberschrift au\u00dfen verk\u00fcndete, so wurde uns auch in der Schulstube das Ungarische mit besonderer Sorgfalt beigebracht. [\u2026] Unser Lehrer hatte alle sechs Klassen in einem Schulzimmer zu unterrichten. Die Unterrichtszeit war auf Vormittag und Nachmittag verteilt. [\u2026]\nIn den ersten zwei Klassen lernten wir deutsch schreiben und lesen. In der dritten Klasse begann schon das Ungarische. Besonderen Wert legte man auf die ungarische Geschichte. Vom ganzen Jahrtausend mussten wir die K\u00f6nige und Herrscher alle auswendig lernen und ihre Heldentaten kennen. In der Erdkunde mussten wir besonders Ungarn gut kennen lernen. So mussten wir die 63 Komitate und ihre Komitatshauptorte auswendig lernen. Sie wollten systematisch und mit allen Mitteln aus uns richtige Magyaronen machen. Wenn ein Sch\u00fcler beispielsweise zur gro\u00dfen Tafel hinaus musste, so musste dieser beim Rechnen laut sprechen, aber nicht unserer geliebten Muttersprache, sondern ungarisch mussten wir sprechen, so gut es eben ging.<br \/>\nIch will auch erw\u00e4hnen, dass wir damals konfessionelle Schulen hatten. In unserer Gemeinde war eine evangelische und eine katholische Volksschule, in anderen Gemeinden wo m\u00f6glichst auch noch eine j\u00fcdische Volksschule. Jede Schule hatte ihren eigenen Lehrer. Der Lehrer wurde nicht vom Staat bezahlt, sondern von den Kirchengemeinden. Der Lehrer und auch der Pfarrer wurden in Naturalien bezahlt, so erhielten sie Getreide, Weinmost, Bohnen, Eier, Kraut, Erd\u00e4pfel, R\u00fcben u. a. m. [\u2026]\u201c<br \/>\n<span lang=\"DE-AT\" style=\"line-height: 115%; font-family: 'Verdana',sans-serif; font-size: 9pt;\">(Aus: Weber Karl, Erlebnisse eines Grenzlandbauern im 20. Jahrhundert)<\/span><\/p>\n<\/div><div class=\"fusion-clearfix\"><\/div><\/div><\/div><\/div><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nach dem Ausgleich 1867 verst\u00e4rkte sich der Magyarisierungsdruck, der die sprachlichen und kulturellen Rechte der Nationalit\u00e4ten in Ungarn erheblich einschr\u00e4nkte bzw. zum Teil sogar verletzte. <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":2754,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[281,41,38],"tags":[64],"class_list":["post-2753","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-281","category-soziales","category-westungarn","tag-lutzmannsburg"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.brettl.at\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2753","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.brettl.at\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.brettl.at\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.brettl.at\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.brettl.at\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=2753"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/www.brettl.at\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2753\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2757,"href":"https:\/\/www.brettl.at\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2753\/revisions\/2757"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.brettl.at\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media\/2754"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.brettl.at\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=2753"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.brettl.at\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=2753"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.brettl.at\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=2753"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}