{"id":3286,"date":"2021-03-09T06:44:44","date_gmt":"2021-03-09T05:44:44","guid":{"rendered":"https:\/\/www.brettl.at\/blog\/?p=3286"},"modified":"2024-09-02T17:50:29","modified_gmt":"2024-09-02T15:50:29","slug":"eine-gemeinde-ist-bankrott","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.brettl.at\/blog\/eine-gemeinde-ist-bankrott\/","title":{"rendered":"Eine Gemeinde ist bankrott"},"content":{"rendered":"<div class=\"fusion-fullwidth fullwidth-box fusion-builder-row-1 nonhundred-percent-fullwidth non-hundred-percent-height-scrolling\" style=\"--awb-border-radius-top-left:0px;--awb-border-radius-top-right:0px;--awb-border-radius-bottom-right:0px;--awb-border-radius-bottom-left:0px;--awb-flex-wrap:wrap;\" ><div class=\"fusion-builder-row fusion-row\"><div class=\"fusion-layout-column fusion_builder_column fusion-builder-column-0 fusion_builder_column_1_1 1_1 fusion-one-full fusion-column-first fusion-column-last\" style=\"--awb-bg-size:cover;--awb-margin-bottom:0px;\"><div class=\"fusion-column-wrapper fusion-flex-column-wrapper-legacy\"><div class=\"fusion-text fusion-text-1\"><p>Die Ans\u00e4ssigkeit von Roma in Grodnau ist ab der Mitte des 19. Jahrhunderts belegt. In der Zwischenkriegszeit konnte sich die Roma-Bev\u00f6lkerung von Grodnau von 55 Personen im Jahre 1920 auf 180 Personen im Jahre 1936 mehr als verdreifachen. Zumindest zum Teil d\u00fcrfte dieser Anstieg auch auf die R\u00fcckwanderung von in Grodnau \u201eheimatberechtigten\u201c Roma aufgrund der Folgen der Weltwirtschaftskrise der 1930er Jahre zur\u00fcckzuf\u00fchren sein, denn nur in ihrer Heimatgemeinde hatten sie Anspruch auf minimale Sozialleistungen. Der Anteil der Roma-Bev\u00f6lkerung lag in Grodnau bei \u00fcber 40 Prozent, was f\u00fcr die kleine Gemeinde besonders in Zeiten der Weltwirtschaftskrise eine enorme finanzielle Belastung bedeutete. Bei einer Gemeinderatssitzung vom 18. August 1932 wurde die Situation der Gemeinde diskutiert und eine Abhilfe der tristen Situation bzw. die Abhaltung einer Bezirkskonferenz gefordert:<br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.brettl.at\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/Grodnau-Roma.jpg\"><img decoding=\"async\" class=\"alignleft size-medium wp-image-3287\" src=\"https:\/\/www.brettl.at\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/Grodnau-Roma-300x171.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"171\" srcset=\"https:\/\/www.brettl.at\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/Grodnau-Roma-200x114.jpg 200w, https:\/\/www.brettl.at\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/Grodnau-Roma-300x171.jpg 300w, https:\/\/www.brettl.at\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/Grodnau-Roma-400x228.jpg 400w, https:\/\/www.brettl.at\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/Grodnau-Roma-600x341.jpg 600w, https:\/\/www.brettl.at\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/Grodnau-Roma.jpg 640w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a>\u201e[\u2026] Durch die vielen und hohen Krankenverpflegungskosten, Schubkosten, Notaushilfen, \u00c4rztekosten, Armenrezepte etc. f\u00fcr die Zigeuner, musste die Gemeinde Grodnau f\u00fcr das Jahr 1932 eine 220%ige Gemeindeumlage festsetzen.<br \/>\nIm Laufe dieses Jahres hat sich gezeigt, dass dieser Prozentsatz zu niedrig ist und die bereits erfolgten Zahlungen f\u00fcr obige Zwecke das Pr\u00e4liminare schon weit, aber such soweit \u00fcberschritten ist, dass man sagen kann, die Gemeindekassa von Grodnau hat bankrott gemacht, das heisst, die Gemeinde Grodnau ist zahlungsunf\u00e4hig geworden.<br \/>\nIn der Gemeinde Grodnau sind nur Kleinh\u00e4usler und keine Grossbetriebe. Auch keine F\u00fcrsorgebeitr\u00e4ge fliessen ein. Diese Kleinh\u00e4usler haben mit ihrer Existenz sehr schwer zu k\u00e4mpfen, weil sie ihre Produkte selbst brauchen und im Falle diese etwas selbst etwas zu verkaufen haben, sie infolge des niedrigen Preises und der weiten Entfernung von Oberwart f\u00fcr die Ware fast nichts bekommen.<br \/>\nDie Folge davon ist, dass sie kaum ihr nacktes Leben davonbringen, geschweige ihrer Steuerpflicht nachkommen k\u00f6nnen. Beweis, die vielen Steuerr\u00fcckst\u00e4nde, weil die Steuerzahler nicht mehr weiter k\u00f6nnen.<br \/>\nAuf eine Erh\u00f6hung der Gemeindeumlagen kann in der Gemeinde Grodnau nicht gedacht werden, weil die Steuerzahler finanziell schon ganz ausgesaugt sind und somit auch die Gemeinde vor dem Zusammenbruch steht.<br \/>\nAuch in anderen Gemeinden, welche mit Zigeuner begl\u00fcckt sind, d\u00fcrften sich diese \u00dcbelst\u00e4nde und auch die Not bemerkbar machen. Denn auf diese Weise kann es nicht mehr weiter gehen und muss in dieser Hinsicht Abhilfe geschaffen werden.<br \/>\nIch stelle daher den Antrag, der Gemeinderat wolle beschliessen, dass der Bezirkshauptmann an einem von ihm selbst festgesetzten Tage alle B\u00fcrgermeister oder Gemeindevorst\u00e4nde jener Gemeinden, in deren gebiet Zigeuner sesshaft oder heimatzust\u00e4ndig sind, zu einer Bezirkskonferenz in Oberwart einberufen m\u00f6ge, damit hinsichtlich der Bek\u00e4mpfung der \u00fcbernehmenden Zigeunerplage eine allgemeine Aussprache zur Ergreifung von entsprechenden Massnahmen und eventuellen Antr\u00e4gen an die burgenl\u00e4ndische Landesregierung stattfinde. [\u2026]\u201c<br \/>\n(Baumgartner\/Brettl: \u201eEinfach weg!\u201c Verschwundene Romasiedlungen im Burgenland. Mattersburg 2020. S. 105\/BLA Zigeunerakt.)<br \/>\nDie vom B\u00fcrgermeister von Grodnau geforderte Bezirkskonferenz fand am 15. J\u00e4nner 1933 in Oberwart statt. Dabei wurden radikale Ma\u00dfnahmen wie unter anderen die Deportation der Roma auf wenig besiedelte Inseln im Stillen Ozean gefordert.<\/p>\n<\/div><div class=\"fusion-clearfix\"><\/div><\/div><\/div><\/div><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Ans\u00e4ssigkeit von Roma in Grodnau ist ab der Mitte des 19. Jahrhunderts belegt.  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