{"id":3386,"date":"2021-06-13T07:56:35","date_gmt":"2021-06-13T05:56:35","guid":{"rendered":"https:\/\/www.brettl.at\/blog\/?p=3386"},"modified":"2024-09-02T17:53:29","modified_gmt":"2024-09-02T15:53:29","slug":"kriegsende-und-verrohung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.brettl.at\/blog\/kriegsende-und-verrohung\/","title":{"rendered":"Kriegsende und Verrohung"},"content":{"rendered":"<p>Als im Sommer 1914 die M\u00e4nner zu den Waffen gerufen wurden, waren sie zumeist Bauern und Landarbeiter, die kaum \u00fcber die Komitatsgrenzen hinausgekommen waren. Es regierte in Wien der Kaiser als Souver\u00e4n und Kritik an der Obrigkeit zu \u00e4u\u00dfern, war man vielfach nicht gewohnt. Vier Jahre Krieg bzw. oft jahrelange Kriegsgefangenschaft ver\u00e4nderte so manchen Kriegsteilnehmer. Nach ihrer R\u00fcckkehr mussten sie sich in einer vollst\u00e4ndig ver\u00e4nderten Situation zurechtfinden und nicht jeder fand dabei seinen Platz wieder.<br \/>\nJosef Ribarits, Pfarrer von Donnerskirchen, beobachtete die Zeit nach dem Krieg und hielt dabei fest:<br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.brettl.at\/wp-content\/uploads\/2021\/06\/20190529_094304.jpg\"><img decoding=\"async\" class=\"alignleft size-medium wp-image-3387\" src=\"https:\/\/www.brettl.at\/wp-content\/uploads\/2021\/06\/20190529_094304-300x156.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"156\" srcset=\"https:\/\/www.brettl.at\/wp-content\/uploads\/2021\/06\/20190529_094304-200x104.jpg 200w, https:\/\/www.brettl.at\/wp-content\/uploads\/2021\/06\/20190529_094304-300x156.jpg 300w, https:\/\/www.brettl.at\/wp-content\/uploads\/2021\/06\/20190529_094304-400x208.jpg 400w, https:\/\/www.brettl.at\/wp-content\/uploads\/2021\/06\/20190529_094304-600x311.jpg 600w, https:\/\/www.brettl.at\/wp-content\/uploads\/2021\/06\/20190529_094304.jpg 640w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a>\u201eVon Budapest aus schlugen die Wogen der Revolution auch aufs Land \u00fcber, [\u2026]. Auch unser deutsches Gebiet blieb nicht ganz ohne Ausschreitungen. Der Zorn des aufgewiegelten Volkes lie\u00df sich in einzelnen Gemeinden gegen die Notare und die j\u00fcdischen Kaufleute zu Gewaltt\u00e4tigkeiten hinrei\u00dfen. Die Bewohner unserer Gemeinde benahmen sich am Anfang sehr n\u00fcchtern und kaltbl\u00fctig. Einige Maulhelden versuchten auch hier Unfug zu treiben und Propaganda f\u00fcr einen Anschluss an Deutsch-\u00d6sterreich zu machen, doch erlitten sie vorl\u00e4ufig an der n\u00fcchternen Denkungsart des Gro\u00dfteiles der Bev\u00f6lkerung Schiffbruch. Die Zukunft ist uns allerdings unbekannt, wir erleben so kritische Tage, an denen von einem Tag zum anderen die gegens\u00e4tzlichsten Interessen zur Geltung kommen.<br \/>\nEs wurde der Nationalrat der Gemeinde gegr\u00fcndet, der zur Aufrechterhaltung der Ordnung f\u00fcr die Lebens- und Verm\u00f6genssicherstellung die B\u00fcrger- und Nationalgarde aufstellte, die jedoch nicht viel Arbeit hatte. Das unreife Gr\u00f6len einiger junger Burschen und das Einschlagen von Fensterscheiben hatten ihren Ursprung eher in der Wirkung des Weines als in der revolution\u00e4ren Stimmung. Das Pfarrgeb\u00e4ude blieb unversehrt. Gegen die Person des Pfarrers erfolgte nur insofern ein Angriff in verh\u00fcllter Form, indem die Jugend in einem anonymen Brief gegen die Anrede \u201aDu\u2018 protestierte. Habeat sibi!<br \/>\nDie Soldaten kamen langsam, zerschlissen, m\u00fcde &#8211; von S\u00fcdslawen, Kroaten, Polen und \u00d6sterreichern &#8211; ausgeraubt nachhause, begannen ihre friedliche Arbeit. Die arbeitenden H\u00e4nde wurden schon sehr ben\u00f6tigt, da uns Anfang November unsere russischen Kriegsgefangenen verlie\u00dfen. Infolgedessen ging die Landwirtschaft dem Ruin entgegen. [\u2026]<br \/>\nZu den traurigen Erscheinungen der Kriegsfolgen geh\u00f6rte die Verrohung der Seele der vom Kriegsschauplatz heimgekehrten Soldaten durch revolution\u00e4re Ideen. Selbst diejenigen, die von den Kriegsschaupl\u00e4tzen, Spit\u00e4lern und der Gefangenschaft den Ortspfarrer oft mit ihren Briefen aufsuchten und von ihm seelischen Trost und Erholung baten, kamen ver\u00e4ndert nachhause und wenn sie auch nicht gerade feindliche Gesinnung bewiesen, so zeigten sich doch Gleichg\u00fcltigkeit, die schmerzliches Gef\u00fchl und bittere Entt\u00e4uschung in ihm erweckten.<br \/>\nAbgesehen von den Weltereignissen, die die Bev\u00f6lkerung der Gemeinde stets in Aufregung hielten, kamen gro\u00dfe Ereignisse im Leben der Gemeinde nicht sehr vor. Der Winter wurde vom Fr\u00fchling abgel\u00f6st mit seinen Arbeiten und so begann das Dorfleben wieder seinen gewohnten Gang. [\u2026]\u201c<br \/>\n(<a href=\"http:\/\/www.chronik-donnerskirchen.at\/index.php?id=48\">http:\/\/www.chronik-donnerskirchen.at\/index.php?id=48)<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Als im Sommer 1914 die M\u00e4nner zu den Waffen gerufen wurden, waren sie zumeist Bauern und Landarbeiter, die kaum \u00fcber die Komitatsgrenzen hinausgekommen waren. <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":3387,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[283,21,41,38],"tags":[149],"class_list":["post-3386","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-283","category-i-weltkrieg","category-soziales","category-westungarn","tag-donnerskirchen"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.brettl.at\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3386","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.brettl.at\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.brettl.at\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.brettl.at\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.brettl.at\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=3386"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.brettl.at\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3386\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3388,"href":"https:\/\/www.brettl.at\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3386\/revisions\/3388"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.brettl.at\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media\/3387"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.brettl.at\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=3386"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.brettl.at\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=3386"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.brettl.at\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=3386"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}