{"id":3399,"date":"2021-06-28T06:31:36","date_gmt":"2021-06-28T04:31:36","guid":{"rendered":"https:\/\/www.brettl.at\/blog\/?p=3399"},"modified":"2024-09-02T17:53:17","modified_gmt":"2024-09-02T15:53:17","slug":"folgen-der-kz-haft","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.brettl.at\/blog\/folgen-der-kz-haft\/","title":{"rendered":"Folgen der KZ-Haft"},"content":{"rendered":"<p>Etwa drei\u00dfig J\u00fcdinnen und Juden lebten bis zum Jahr 1938 in Neusiedl am See, bevor sie vom NS-Regime vertrieben wurden. Nur ein j\u00fcdischer Bewohner, der Schnittwarenh\u00e4ndler Emmerich Benk\u00f6, der sechs Konzentrationslager und den Todesmarsch \u00fcberlebt hatte, kam 1945 nach Neusiedl am See zur\u00fcck. M\u00fchsam gelang es ihm, wenigstens einen Teil des Besitzes seiner Eltern zur\u00fcckzuerlangen und das Gesch\u00e4ft wiederaufzubauen. Die gesundheitlichen Sch\u00e4den, die Emmerich Benk\u00f6 durch die Haft erlitten hatte, blieben jedoch st\u00e4ndige Begleiter. So schrieb Emmerich Benk\u00f6 1965 an Primar Schober \u00fcber seine k\u00f6rperlichen und seelischen Leiden:<br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.brettl.at\/wp-content\/uploads\/2021\/06\/Folgen-der-KZ-Abb47-Geschaeftsportal_Benkoe-1962-a.jpg\"><img decoding=\"async\" class=\"alignleft size-medium wp-image-3400\" src=\"https:\/\/www.brettl.at\/wp-content\/uploads\/2021\/06\/Folgen-der-KZ-Abb47-Geschaeftsportal_Benkoe-1962-a-200x300.jpg\" alt=\"\" width=\"200\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/www.brettl.at\/wp-content\/uploads\/2021\/06\/Folgen-der-KZ-Abb47-Geschaeftsportal_Benkoe-1962-a-200x300.jpg 200w, https:\/\/www.brettl.at\/wp-content\/uploads\/2021\/06\/Folgen-der-KZ-Abb47-Geschaeftsportal_Benkoe-1962-a-400x599.jpg 400w, https:\/\/www.brettl.at\/wp-content\/uploads\/2021\/06\/Folgen-der-KZ-Abb47-Geschaeftsportal_Benkoe-1962-a-600x899.jpg 600w, https:\/\/www.brettl.at\/wp-content\/uploads\/2021\/06\/Folgen-der-KZ-Abb47-Geschaeftsportal_Benkoe-1962-a.jpg 640w\" sizes=\"(max-width: 200px) 100vw, 200px\" \/><\/a>\u201eEs war furchtbar in der alten Heimat zu sein und ganz allein[,] denn alle meiner Angeh\u00f6rigen wurden ausgerottet. Nicht nur mein K\u00f6rper war wund und trug die Spur en erlittener Leiden, sondern besonders meine Seele. K\u00f6rperlich wurde ich in den verflossenen Jahren zumindest soweit hergestellt, da\u00df ich meinem Beruf nachgehen kann, jedoch seelisch ist mein Zustand, eher schlechter, als besser geworden. Ich bin seit 1950 bei Herrn Dozenten Ringel in Behandlung und es d\u00fcrfte seiner F\u00fcrsorge zu danken sein, da\u00df ich \u00fcberhaupt das Leben noch ertr\u00e4glich finden kann. \u2212 Trotzdem [sic!] ich seit 18 Jahren verheiratet bin und zwei Kinder habe[,] komme ich von der Vergangenheit nicht los. Ich tr\u00e4ume fast alln\u00e4chtlich vom Lager, sehe plastisch die Bilder vor mir, den letzten Anblick meiner Angeh\u00f6rigen, wache schwei\u00dfgebadet auf und kann nicht mehr einschlafen. Es ist ortsbekannt, da\u00df man mich im fr\u00fchen Morgengrauen schon auf den \u00c4ckern herumstreifen sehen kann. Denn so gewinne ich f\u00fcr kurze Stunden meine Ruhe. Qu\u00e4lende Kopfschmerzen plagen mich oft tagelang, scheue jede Gesellschaft von Menschen, denn unwillk\u00fcrlich kommt immer wieder das Gespr\u00e4ch in eine Richtung, die mich in die Vergangenheit f\u00fchrt. Das Autolenken ist f\u00fcr mich eine Plage (ich mu\u00df es leider aus Berufsgr\u00fcnden)[,] ich f\u00fcrchte immer zu verungl\u00fccken, selbst zu Fu\u00df die Fahrbahn zu \u00fcberschreiten f\u00e4llt mir schwer, da ich Angst habe. [\u2026] Verschiedene von diversen \u00c4rzten verschriebene Beruhigungsmittel und \u00e4hnliche Medikamente erweisen sich nach kurzer Zeit als nutzlos. Ich glaube kaum, da\u00df es eine Therapie gibt, die mir meinen Seelenfrieden zur\u00fcckgeben k\u00f6nnte, wobei ich schon gl\u00fccklich w\u00e4re, wenn ich von den damit zusammenh\u00e4ngenden k\u00f6rperlichen Schmerzen befreit werden k\u00f6nnte.\u201c<br \/>\n(Martin Pieber: Die j\u00fcdische Familie Wallenstein-Benk\u00f6. Oberwart 2018. S. 115)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Etwa drei\u00dfig J\u00fcdinnen und Juden lebten bis zum Jahr 1938 in Neusiedl am See, bevor sie vom NS-Regime vertrieben wurden. <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":3400,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[283,29],"tags":[122],"class_list":["post-3399","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-283","category-judentum","tag-neusiedl-am-see"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.brettl.at\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3399","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.brettl.at\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.brettl.at\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.brettl.at\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.brettl.at\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=3399"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/www.brettl.at\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3399\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":4717,"href":"https:\/\/www.brettl.at\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3399\/revisions\/4717"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.brettl.at\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media\/3400"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.brettl.at\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=3399"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.brettl.at\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=3399"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.brettl.at\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=3399"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}