{"id":3464,"date":"2021-09-15T08:38:25","date_gmt":"2021-09-15T06:38:25","guid":{"rendered":"https:\/\/www.brettl.at\/blog\/?p=3464"},"modified":"2024-09-02T17:57:18","modified_gmt":"2024-09-02T15:57:18","slug":"not-und-elend-haben-wir-genug","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.brettl.at\/blog\/not-und-elend-haben-wir-genug\/","title":{"rendered":"\u201eNot und Elend haben wir genug\u201c"},"content":{"rendered":"<div class=\"fusion-fullwidth fullwidth-box fusion-builder-row-1 fusion-flex-container nonhundred-percent-fullwidth non-hundred-percent-height-scrolling\" style=\"--awb-border-radius-top-left:0px;--awb-border-radius-top-right:0px;--awb-border-radius-bottom-right:0px;--awb-border-radius-bottom-left:0px;--awb-flex-wrap:wrap;\" ><div class=\"fusion-builder-row fusion-row fusion-flex-align-items-flex-start fusion-flex-content-wrap\" style=\"max-width:1100.32px;margin-left: calc(-4% \/ 2 );margin-right: calc(-4% \/ 2 );\"><div class=\"fusion-layout-column fusion_builder_column fusion-builder-column-0 fusion_builder_column_1_1 1_1 fusion-flex-column\" style=\"--awb-bg-size:cover;--awb-width-large:100%;--awb-margin-top-large:0px;--awb-spacing-right-large:1.92%;--awb-margin-bottom-large:0px;--awb-spacing-left-large:1.92%;--awb-width-medium:100%;--awb-spacing-right-medium:1.92%;--awb-spacing-left-medium:1.92%;--awb-width-small:100%;--awb-spacing-right-small:1.92%;--awb-spacing-left-small:1.92%;\"><div class=\"fusion-column-wrapper fusion-flex-justify-content-flex-start fusion-content-layout-column\"><div class=\"fusion-text fusion-text-1\"><p>Die 29-j\u00e4hrige Fanny Kraus aus Kaisersteinbruch beschreibt in einem Brief an ihre Tante und Onkel in den USA die Situation der Bev\u00f6lkerung und der Familie im J\u00e4nner 1921. Verzweiflung, Sehnsucht, Armut und Entt\u00e4uschung werden sichtbar gemacht. Fanny wanderte, kurz nachdem sie den Brief verfasst hatte, mit ihrem Mann in die Tschechoslowakische Republik aus, um sich eine neue Existenz aufzubauen. Ihr Sohn zog nach dem Krieg nach Th\u00fcringen und durfte aufgrund seines Dienstes in der Deutschen Wehrmacht nicht mehr in sein Heimatland zur\u00fcckkehren. Fannys Tochter Maria wanderte in die USA aus. Fanny blieb in der Tschechoslowakischen Republik und verstarb 1961 beim Besuch ihrer Kinder in Th\u00fcringen.<br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.brettl.at\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/Bild-Auszug-Brief-Kopie.jpg\"><img decoding=\"async\" class=\"alignleft size-medium wp-image-3465\" src=\"https:\/\/www.brettl.at\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/Bild-Auszug-Brief-Kopie-300x136.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"136\" srcset=\"https:\/\/www.brettl.at\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/Bild-Auszug-Brief-Kopie-200x91.jpg 200w, https:\/\/www.brettl.at\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/Bild-Auszug-Brief-Kopie-300x136.jpg 300w, https:\/\/www.brettl.at\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/Bild-Auszug-Brief-Kopie-400x182.jpg 400w, https:\/\/www.brettl.at\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/Bild-Auszug-Brief-Kopie.jpg 469w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a>\u201eKaisersteinbruch, am 15.1.1921<br \/>\nLieber Onkel u. Tante!<br \/>\nAm Anfang meines Schreibens gr\u00fc\u00dfen wir die ganze Familie u. teilen euch mit, dass wir alle gesund sind, das gleiche hoffen wir von Ihnen. Sie werden meine Schrift entschuldigen. Ich muss euch schreiben, was wir in Europa machen. Not u. Elend haben wir genug u. von Tag zu Tag wird es schlimmer. Wir glaubten wenn Frieden wird, wird alles besser, aber leider sind die Grenzen gesperrt. Wir m\u00fcssen uns jedes Mal, wenn wir hin\u00fcber wollen einen Pass l\u00f6sen. Der kostet jedes Mal 30 Kronen; und wir m\u00fcssen nach \u00d6sterreich hin\u00fcber, weil wir in Ungarn weder Kleider, Schuhe, Salz, Zucker, Z\u00fcndh\u00f6lzer usw. bekommen und wir doch verschiedene Gegenst\u00e4nde brauchen. Tagelang sind wir oft ohne ein St\u00fcck Brot. 1 kg Mehl kostet 50 Kronen, 1 kg Schmalz 280 Kronen, 1 Paar Schuhe kostet 1.300 bis 2.000 Kronen. Wir sind nicht im Stande etwas zu kaufen und im Steinbruch ist seit dem Jahr 1914 keine Arbeit zu bekommen. Wir m\u00f6chten arbeiten, aber es gibt keine Arbeit. Niemand l\u00e4sst was von den Unternehmern machen. Sie glauben es wird alles noch billiger.<br \/>\nDie Amerikaner sind alle ungl\u00fccklich, weil sie sind nach Hause gefahren u. mit uns m\u00fcssen sie Not leiden. Die hier einen Besitz haben verkaufen ihn, damit sie wieder zur\u00fcck fahren k\u00f6nnen. Der Holzapfel Lenz hat auch schon alles verkauft. Hat seinen S\u00f6hnen nicht mal ein Winziges von deren Erbschaft gegeben, ist aber mit deren Geld hin\u00fcbergefahren nach Amerika.<br \/>\nDann m\u00f6chte ich \u00fcber den Onkel Johann schreiben. Wie er gekommen ist, haben wir uns riesig gefreut; aber er war so stolz und hat uns gar nicht besucht. Mutter u. Vater sind dann zu ihm hingegangen u. stellten ihn zur Rede, warum er sie nicht besucht hat. Er sagte ganz kalt, er liebt seine Schwester nicht. Er ist seit November schon verheiratet. Er hat den Zeis Mathias seine Frau geheiratet und Tante Resi hat er geschlagen und hinausgeschmissen. Das war ihr Lohn f\u00fcr 16 Jahre Arbeit. H\u00e4tte ihr doch ein paar Dollar geben k\u00f6nnen u. jetzt ist er auf alle b\u00f6se. Wir leben auch ohne ihn.<br \/>\n(Aus: Fritz Damerius, Breitenbrunn. Geschichte und Geschichten (erweiterte und erg\u00e4nzte Ausgabe Wien 2014. S. 43 \u2013 45)<br \/>\nAnl\u00e4sslich des 100-j\u00e4hrigen Jubil\u00e4ums des Burgenlandes haben sich die Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler der 2b HLW Theresianum Eisenstadt im Unterricht mit Fanny Kraus`Brief besch\u00e4ftigt, den ihnen Franz Sattler zur Verf\u00fcgung gestellt hat. Ich m\u00f6chte mich hiermit f\u00fcr die \u00dcberlassung des Briefes recht herzlich bedanken.<\/p>\n<\/div><\/div><\/div><\/div><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die 29-j\u00e4hrige Fanny Kraus aus Kaisersteinbruch beschreibt in einem Brief an ihre Tante und Onkel in den USA die Situation der Bev\u00f6lkerung im J\u00e4nner 1921. <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":3465,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[283,32,38],"tags":[157],"class_list":["post-3464","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-283","category-migration","category-westungarn","tag-kaisersteinbruch"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.brettl.at\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3464","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.brettl.at\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.brettl.at\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.brettl.at\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.brettl.at\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=3464"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/www.brettl.at\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3464\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":4732,"href":"https:\/\/www.brettl.at\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3464\/revisions\/4732"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.brettl.at\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media\/3465"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.brettl.at\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=3464"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.brettl.at\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=3464"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.brettl.at\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=3464"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}