{"id":3628,"date":"2022-02-21T11:47:30","date_gmt":"2022-02-21T10:47:30","guid":{"rendered":"https:\/\/www.brettl.at\/blog\/?p=3628"},"modified":"2024-09-02T18:11:52","modified_gmt":"2024-09-02T16:11:52","slug":"besuch-der-ehemaligen-zwangsarbeiter","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.brettl.at\/blog\/besuch-der-ehemaligen-zwangsarbeiter\/","title":{"rendered":"Besuch der ehemaligen Zwangsarbeiter"},"content":{"rendered":"<p>Im Herbst 1944 begann der Bau von Befestigungsbauten, Reichsschutzstellung oder S\u00fcdostwall genannt, entlang der Reichsgrenze im Osten, um das Deutsche Reich vor der Sowjetarmee zu sichern. In k\u00fcrzester Zeit, mit den wenigen noch vorhandenen Mitteln und mit enormem Einsatz von menschlicher Arbeitskraft, sollte ein Sperrwall errichtet werden. Die vorhandenen Arbeitskr\u00e4fte reichten jedoch bei weitem nicht aus, sodass man tausende Zwangsarbeiter aus besetzten Gebieten sowie KZ-Insassen und vor allem ungarische Juden zur Arbeit heranzog. In nassen und kalten Stallungen und Scheunen pferchte man die Zwangsarbeiter zusammen. Die sanit\u00e4ren Zust\u00e4nde und die Lebensmittelversorgung waren katastrophal und eine medizinische Versorgung war nicht vorhanden. Es gab aber auch Dorfbewohner, die den Notleidenden heimlich halfen. Nach dem Ende des Eisernen Vorhanges machte sich eine ehemalige Gruppe von Zwangsarbeitern aus der Tschechoslowakei auf, um den Ort ihrer damaligen Inhaftierung aufzusuchen und den Menschen, die ihnen damals geholfen hatten, zu danken.<br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.brettl.at\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/DSC_9005.jpg\"><img decoding=\"async\" class=\"alignleft size-medium wp-image-3629\" src=\"https:\/\/www.brettl.at\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/DSC_9005-300x195.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"195\" srcset=\"https:\/\/www.brettl.at\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/DSC_9005-200x130.jpg 200w, https:\/\/www.brettl.at\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/DSC_9005-300x195.jpg 300w, https:\/\/www.brettl.at\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/DSC_9005-400x260.jpg 400w, https:\/\/www.brettl.at\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/DSC_9005-600x390.jpg 600w, https:\/\/www.brettl.at\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/DSC_9005.jpg 640w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a>\u201eSehr geehrtes Gemeindeamt Halbturn,<br \/>\nIch erlaube mir anzufragen, ob wir euer Dorf besuchen k\u00f6nnen. Den Ort, wo wir im Jahre 1944 ab Weihnachten bis Fr\u00fchjahr beim Sch\u00fctzengraben im Einsatz waren. Einquartiert waren wir in Scheunen im Stroh. In der Fr\u00fch wurden wir zum Graben weggefahren und bis zur Finsternis wurde gearbeitet. Hungrig und durchn\u00e4sst kamen wir zum Kessel, wo wir Suppe aus K\u00fcrbissen oder R\u00fcben bekamen mit einem kleinen St\u00fcck Brot. Von guten Leuten bekamen wir warme Milch und Kartoffel Das gaben sie uns von ihrem Vorrat. Wir waren 2000 Burschen, Jahrgang 1921-24.<br \/>\nNach \u00fcber 45 Jahren m\u00f6chten wir mit dem Bus am 16. Juni gegen 10 Uhr kommen. Oder vielleicht eine Woche sp\u00e4ter, wie es euch passt. Jetzt wo man zu euch ohne Visum fahren kann. Ich hoffe, da\u00df wir so viele Teilnehmer aus Rokycany bei Pilsen zusammen bekommen. Viele sind schon gestorben oder sind krank. Bei euch wird es dasselbe sein. Vielleicht erkennen wir uns nicht, auch die guten Leute, die uns damals geholfen haben, die K\u00e4lte und den Hunger zu ertragen. Wir haben den Leuten aus Dankbarkeit mit dem Holz machen und verschiedenen Arbeiten geholfen. In den H\u00e4usern waren nur noch Frauen mit Kindern und alte M\u00e4nner. Es war Krieg und aus Ungarn n\u00e4herte sich die Russische Armee. Wir wurden \u00fcbersiedelt \u00fcber Neusiedl bis nach Hundsheim und waren wieder in den Scheunen. Deswegen m\u00f6chten wir eure Gegend besuchen. [\u2026] Deshalb bitte ich, ob noch manche sich an uns und auf diese Zeit erinnern k\u00f6nnen. Wir lassen alle herzlich gr\u00fc\u00dfen. Wenn es m\u00f6glich sein wird und welche noch an uns gedenken, so m\u00f6chten wir gerne kommen. F\u00fcr jede Nachricht danke ich vielmals. Ladislav Sima, Teresov\u201c<br \/>\n(Sammlung: Herbert Brettl, Halbturn)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im Herbst 1944 begann der Bau von Befestigungsbauten entlang der Reichsgrenze im Osten, um das Deutsche Reich vor der Sowjetarmee zu sichern. <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":3629,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[284,2],"tags":[43,122],"class_list":["post-3628","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-284","category-ii-weltkrieg","tag-halbturn","tag-neusiedl-am-see"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.brettl.at\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3628","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.brettl.at\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.brettl.at\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.brettl.at\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.brettl.at\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=3628"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.brettl.at\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3628\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3630,"href":"https:\/\/www.brettl.at\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3628\/revisions\/3630"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.brettl.at\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media\/3629"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.brettl.at\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=3628"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.brettl.at\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=3628"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.brettl.at\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=3628"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}