{"id":3802,"date":"2022-09-19T12:27:55","date_gmt":"2022-09-19T10:27:55","guid":{"rendered":"https:\/\/www.brettl.at\/blog\/?p=3802"},"modified":"2024-09-02T18:23:07","modified_gmt":"2024-09-02T16:23:07","slug":"pamhagen-will-zu-oesterreich","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.brettl.at\/blog\/pamhagen-will-zu-oesterreich\/","title":{"rendered":"Pamhagen will zu \u00d6sterreich"},"content":{"rendered":"<div class=\"fusion-fullwidth fullwidth-box fusion-builder-row-1 fusion-flex-container nonhundred-percent-fullwidth non-hundred-percent-height-scrolling\" style=\"--awb-border-radius-top-left:0px;--awb-border-radius-top-right:0px;--awb-border-radius-bottom-right:0px;--awb-border-radius-bottom-left:0px;--awb-flex-wrap:wrap;\" ><div class=\"fusion-builder-row fusion-row fusion-flex-align-items-flex-start fusion-flex-content-wrap\" style=\"max-width:1100.32px;margin-left: calc(-4% \/ 2 );margin-right: calc(-4% \/ 2 );\"><div class=\"fusion-layout-column fusion_builder_column fusion-builder-column-0 fusion_builder_column_1_1 1_1 fusion-flex-column\" style=\"--awb-bg-size:cover;--awb-width-large:100%;--awb-margin-top-large:0px;--awb-spacing-right-large:1.92%;--awb-margin-bottom-large:0px;--awb-spacing-left-large:1.92%;--awb-width-medium:100%;--awb-spacing-right-medium:1.92%;--awb-spacing-left-medium:1.92%;--awb-width-small:100%;--awb-spacing-right-small:1.92%;--awb-spacing-left-small:1.92%;\"><div class=\"fusion-column-wrapper fusion-flex-justify-content-flex-start fusion-content-layout-column\"><div class=\"fusion-text fusion-text-1\"><p>Am 2. September 1919 erhielt die deutsch\u00f6sterreichische Delegation den dritten und endg\u00fcltigen Text des Friedensvertrages in St. Germain\/Paris von den Alliierten ausgeh\u00e4ndigt. Dabei wurde \u00d6sterreich das westungarische Gebiet, einschlie\u00dflich der Stadt \u00d6denburg, zugesprochen. Ungarn versuchte in weiterer Folge eine Revision der neuen \u201eBurgenland-Grenze\u201c nach Westen zu erreichen, unter anderem mit dem Ziel, dass Pamhagen bei Ungarn verbleiben sollte. Pamhagen war nach der Volksz\u00e4hlung 1910 eine deutschsprachige Gemeinde. Von den 2.057 Einwohnern bekannten sich 1.507 Personen zur deutschen und 548 Personen zur ungarischen Sprache, wobei diese vorwiegend den Meierhof Mexik\u00f3-Puszta (204 Bewohner) bewohnten. Ungarn verlangte, die esterh\u00e1zyschen Besitzungen samt dem Ort Pamhagen ungeteilt bei Ungarn zu belassen. Auch Reste der ungarischen Freisch\u00e4rler mischten dabei mit, indem diese sich auf dem esterh\u00e1zyschen Gutshof Mexik\u00f3-Puszta, der sich in der sogenannten neutralen Zone befand, sammelten. In der Nacht vom 24. zum 25. M\u00e4rz 1922 kam es bei Apetlon zu einem Feuergefecht zwischen Freisch\u00e4rlern und \u00f6sterreichischen Gendameriebeamten, wobei Letztere einen Toten zu beklagen hatten.<br \/>\nDie endg\u00fcltige Grenzziehung zwischen Ungarn und \u00d6sterreich sollte durch eine internationale Grenzregelungskommission erfolgen, die 1922 die umstrittenen Gebiete besuchte. So kam die Kommission am 2. M\u00e4rz 1922 nach Pamhagen, die Bev\u00f6lkerung bekannte sich per Akklamation zu \u00d6sterreich. Nachdem Ungarn jedoch vehement auf dem Besitz Pamhagens bestand, konnte keine Einigung erzielt werden und so sollte die Entscheidung schlussendlich vom V\u00f6lkerbundrat, der h\u00f6heren Instanz, getroffen werden. Die Gemeinde Pamhagen sandte unter anderen im August 1922 eine Bittschrift an den V\u00f6lkerbund mit dem Appell, dass die Gemeinde ein Teil \u00d6sterreichs sein sollte:<br \/>\n<em><a href=\"https:\/\/www.brettl.at\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/Pomogy1-Kopie.jpg\"><img decoding=\"async\" class=\"alignleft size-medium wp-image-3803\" src=\"https:\/\/www.brettl.at\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/Pomogy1-Kopie-300x135.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"135\" srcset=\"https:\/\/www.brettl.at\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/Pomogy1-Kopie-200x90.jpg 200w, https:\/\/www.brettl.at\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/Pomogy1-Kopie-300x135.jpg 300w, https:\/\/www.brettl.at\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/Pomogy1-Kopie-400x179.jpg 400w, https:\/\/www.brettl.at\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/Pomogy1-Kopie.jpg 486w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a>\u201eIn Anbetracht der nahenden Entscheidung \u00fcber das endg\u00fcltige Schicksal unserer Gemeinde wird nun zum drittenmal an die Einsicht und den Gerechtigkeitssinn des hohen V\u00f6lkerbundes appelliert, dahingehend, dass die wirklich deutsche Gemeinde nicht den Ungarn zugeteilt, sondern endg\u00fcltig bei \u00d6sterreich verbleibe.<br \/>\n<\/em><em>Es wurde bereits zweimal an den hohen V\u00f6lkerbund das gleiche Ersuchen gerichtet und jede dieser Eingaben von der gesamten Bev\u00f6lkerung gefertigt, womit wohl zur Gen\u00fcge ausgedr\u00fcckt wurde, dass nach dem gerechten Prinzip des Selbstbestimmungsrechtes diese rein deutsche Gemeinde einhellig den Anschluss an den deutsch-\u00f6sterreichischen Bundesstaat w\u00fcnscht. Der Gemeindehotter wird durch den Einser Kanal geschnitten, jedoch derart, dass \u00fcber 4000 Katastraljoch auf dem \u00d6sterreich zugesprochenen Gebiete und nur rund 200 Joch auf ungarischem Gebiete in der heute neutralen Zone liegen, f\u00fcrstlich Eszterh\u00e1zyscher Privatbesitz ist hier nicht eingerechnet. Die Lebensf\u00e4higkeit der Gemeinde bei ihrer Zugeh\u00f6rigkeit zu \u00d6sterreich ist durch die gegebene Absatzm\u00f6glichkeit ihrer Produkte nach Bruck und haupts\u00e4chlich nach Wien bei den bestehenden Verkehrsverh\u00e4ltnissen und dem bedeutenden Konsumbedarf des Wiener Marktes viel besser gew\u00e4hrleistet, als wenn die Gemeinde auf ungarische Absatzgebiete angewiesen w\u00e4re. Sie spielt sogar f\u00fcr die Approvisionierung Wiens \u2013 die t\u00e4gliche Milchlieferung betr\u00e4gt zum Beispiel gegenw\u00e4rtig 2000 Liter und ebenso viel Kilogramm Fleisch \u2013 eine durchaus bedeutende Rolle. Die Versorgung der Gemeinde mit Industrieartikeln jedweder Art stellt sich durchaus m\u00fcheloser und wesentlich billiger beim Bezuge vom \u00f6sterreichischen Markte.<br \/>\n<\/em><em>Die Gemeinde verwahrt sich mit allem Nachdrucke gegen die auf durchaus unwahren Angaben beruhende irref\u00fchrende ungarische Propaganda gewisser ungarischer chauvinistischer Bl\u00e4tter und erwartet, auf den Gerechtigkeitssinn des hohen V\u00f6lkerbundes vertrauend, zuversichtlich jene Entscheidung, die allein ihren nationalen W\u00fcnschen und wirtschaftlichen Bed\u00fcrfnissen entspricht, auf die endg\u00fcltige Zuteilung zu \u00d6sterreich.<br \/>\n<\/em><em>Der dem F\u00fcrst Eszterh\u00e1zy geh\u00f6rende Meierhof Mexiko mit ungarischen Angestellten, welcher in der derzeit neutralen Zone liegt, aber durch ungarische Beh\u00f6rden verwaltet wird, ist durch seine Entfernung f\u00fcr die Gemeinde wirtschaftlich vollst\u00e4ndig belanglos. Die Gemeinde verwahrt sich mit allem Nachdrucke dagegen, dass etwa das Votum der ungarnfreundlich gesinnten dortigen ungarischen Bediensteten als ein Ausdruck der Stimme der Gemeinde betrachtet werde.<br \/>\n<\/em><em>Pamhagen, 16. August 1922<br \/>\n<\/em><em>Die deutsche Gemeinde Pamhagen\u201c (<\/em>Arbeiterzeitung vom 20. September 1922)<br \/>\nAm 19. September 1922 wurde schlie\u00dflich bei der Tagung des V\u00f6lkerbundes in Genf Pamhagen endg\u00fcltig \u00d6sterreich zugesprochen, wobei das Grundprinzip der Kommission, Bauernbesitz zu \u00d6sterreich und Gro\u00dfgrundbesitz zu Ungarn, zur Anwendung kam. Im November 1922 wurde die Grenze \u00f6stlich und s\u00fcdlich des Dorfes entlang des Einserkanals so gezogen, dass der Kanal selbst bei Ungarn verblieb und westlich das Esterh\u00e1zysche Gut \u201eMexiko\u201c an Ungarn gegeben. Der charakteristische \u201eSpitz\u201c bei Pamhagen war geschaffen.<\/p>\n<\/div><\/div><\/div><\/div><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am 2. 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