{"id":4002,"date":"2023-07-02T08:39:16","date_gmt":"2023-07-02T06:39:16","guid":{"rendered":"https:\/\/www.brettl.at\/blog\/?p=4002"},"modified":"2024-09-02T18:36:43","modified_gmt":"2024-09-02T16:36:43","slug":"student-zwischen-zwei-heimaten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.brettl.at\/blog\/student-zwischen-zwei-heimaten\/","title":{"rendered":"Student zwischen zwei Heimaten"},"content":{"rendered":"<div class=\"fusion-fullwidth fullwidth-box fusion-builder-row-1 fusion-flex-container nonhundred-percent-fullwidth non-hundred-percent-height-scrolling\" style=\"--awb-border-radius-top-left:0px;--awb-border-radius-top-right:0px;--awb-border-radius-bottom-right:0px;--awb-border-radius-bottom-left:0px;--awb-flex-wrap:wrap;\" ><div class=\"fusion-builder-row fusion-row fusion-flex-align-items-flex-start fusion-flex-content-wrap\" style=\"max-width:1100.32px;margin-left: calc(-4% \/ 2 );margin-right: calc(-4% \/ 2 );\"><div class=\"fusion-layout-column fusion_builder_column fusion-builder-column-0 fusion_builder_column_1_1 1_1 fusion-flex-column\" style=\"--awb-bg-size:cover;--awb-width-large:100%;--awb-margin-top-large:0px;--awb-spacing-right-large:1.92%;--awb-margin-bottom-large:0px;--awb-spacing-left-large:1.92%;--awb-width-medium:100%;--awb-spacing-right-medium:1.92%;--awb-spacing-left-medium:1.92%;--awb-width-small:100%;--awb-spacing-right-small:1.92%;--awb-spacing-left-small:1.92%;\"><div class=\"fusion-column-wrapper fusion-flex-justify-content-flex-start fusion-content-layout-column\"><div class=\"fusion-text fusion-text-1\"><p>Zur Zeit der Magyarisierung z\u00e4hlten in der zweiten H\u00e4lfte des 19. Jahrhunderts insbesondere die Schulen zu den wichtigsten Hilfsmitteln. In den Pflichtschulen wurde immer \u00f6fter der muttersprachliche Unterricht von der ungarischen Sprache ersetzt und auch die Universit\u00e4ten und Hochschulen waren Horte des magyarischen Nationalismus. Diese Entwicklung l\u00f6ste in so manchen Studenten eine Identit\u00e4tskrise aus. So auch bei Stephan Vollhofer aus Neckenmarkt, Student des Welthandels und der Staatswissenschaften in Wien, der in einem Leserbrief an den Freien Burgenl\u00e4nder vom 22. Juli 1922 schrieb:<br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.brettl.at\/wp-content\/uploads\/2023\/07\/Magyarisierung-1a.jpg\"><img decoding=\"async\" class=\"alignleft size-medium wp-image-4003\" src=\"https:\/\/www.brettl.at\/wp-content\/uploads\/2023\/07\/Magyarisierung-1a-300x178.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"178\" srcset=\"https:\/\/www.brettl.at\/wp-content\/uploads\/2023\/07\/Magyarisierung-1a-200x119.jpg 200w, https:\/\/www.brettl.at\/wp-content\/uploads\/2023\/07\/Magyarisierung-1a-300x178.jpg 300w, https:\/\/www.brettl.at\/wp-content\/uploads\/2023\/07\/Magyarisierung-1a-400x238.jpg 400w, https:\/\/www.brettl.at\/wp-content\/uploads\/2023\/07\/Magyarisierung-1a-600x356.jpg 600w, https:\/\/www.brettl.at\/wp-content\/uploads\/2023\/07\/Magyarisierung-1a-768x456.jpg 768w, https:\/\/www.brettl.at\/wp-content\/uploads\/2023\/07\/Magyarisierung-1a-800x475.jpg 800w, https:\/\/www.brettl.at\/wp-content\/uploads\/2023\/07\/Magyarisierung-1a-1024x608.jpg 1024w, https:\/\/www.brettl.at\/wp-content\/uploads\/2023\/07\/Magyarisierung-1a-1200x713.jpg 1200w, https:\/\/www.brettl.at\/wp-content\/uploads\/2023\/07\/Magyarisierung-1a-1536x912.jpg 1536w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a>\u201eEin Burgenl\u00e4nder an die Burgenl\u00e4nder!<br \/>\nIn der Volksschule von sehr t\u00fcchtigen aber leider unter dem Drucke Apponyischer Magyarisierungspolitik stehenden Lehrern bestens pr\u00e4pariert, kam ich ans \u00d6denburger Benediktinergymnasium. In dieser ansonsten vortrefflichen Lehranstalt wurde mir dann bald alles genommen, was mich mit meiner deutschen Heimat (Neckenmarkt) verband. Der hier gepredigte Hass gegen \u00d6sterreich verursachte eine so verheerende Wirkung in meinem jungen Herzen, dass ich meinen guten deutschen Namen nach so mancher Geschichtsstunde gegen einen, zum Beispiel \u201aNy\u00e9kfalusi Arp\u00e1d\u2018, klingenden vertauscht und im Jahre 1914 am liebsten die Kriegserkl\u00e4rung gegen den verhassten \u201aOsztr\u00e1k s\u00f3gor\u2018 (\u00f6sterreichischen Schwager) gelesen h\u00e4tte. Und dieser Hass und das unbedingt erforderte, intransingente Betonen meines Magyarentums wurde wahrlich tief, fast unausrottbar in meine Seele hineingepflanzt. Ich zog es sogar vor, in italienischer Kriegsgefangenschaft zu bleiben &#8211; die \u00d6sterreicher gingen fr\u00fcher heim &#8211; damit ich mich ja nicht als \u00d6sterreicher zu bekennen brauchte. Heimgekehrt im August 1919, ging ich nach Wien auf die Universit\u00e4t, kehrte aber bald nachhause (zur\u00fcck), da ich unter dem Einflu\u00dfe meiner schon bekehrten Kollegen mein Ungarntum zu verlieren f\u00fcrchtete.<br \/>\nIch wollte kein &#8216;Landesverr\u00e4ter&#8217; sein, der sein bisher mit Stolz getragenes Ungarntum wegwirft, aber noch weniger ein Volksverr\u00e4ter im Lager der Feinde meines eigenen Volkes. Als ich aber sah &#8211; was ich in meiner chauvinistischen Blindheit fr\u00fcher nicht glaubte &#8211; wie der Bauer, der Gesch\u00e4ftsmann und Handwerker sich sehnt, mit seinem Brudervolk vereinigt zu werden, gab ich mit jedem Monat nach und der ehrlich ausgefochtene Seelenkampf endete mit dem aufjauchzenden Bewusstsein meines Deutschtums. So ging es vielen meiner burgenl\u00e4ndischen Studienkollegen. Von meinem Ungarntum blieb mir nichts anderes als eine Sympathie f\u00fcr diese an Fehlern, allerdings auch an Tugenden reiche Nation und die Hoffnung, dass dieses in seinem Chauvinismus bis zur Grausamkeit ungerechte Volk es doch einsehen wird, dass wir nicht so sehr die Erf\u00fcllung des Trianoner Friedensvertrages w\u00fcnschen als vielmehr die auf unserem eigenen Willen beruhende Vereinigung mit unseren deutschen Br\u00fcdern fordern&#8221;.<br \/>\n(In: Der Freie Burgenl\u00e4nder vom 22. 7. 1922)<\/p>\n<\/div><\/div><\/div><\/div><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zur Zeit der Magyarisierung z\u00e4hlten in der zweiten H\u00e4lfte des 19. 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