{"id":4162,"date":"2024-02-18T07:13:03","date_gmt":"2024-02-18T06:13:03","guid":{"rendered":"https:\/\/www.brettl.at\/blog\/?p=4162"},"modified":"2024-09-02T18:29:04","modified_gmt":"2024-09-02T16:29:04","slug":"soll-rust-ein-dorf-werden","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.brettl.at\/blog\/soll-rust-ein-dorf-werden\/","title":{"rendered":"Soll Rust ein Dorf werden?"},"content":{"rendered":"<p>Die ungarisch k\u00f6nigliche Freistadt Rust befand sich Anfang der 1930er Jahre in einer finanziell sehr prek\u00e4ren Lage, die Verschuldung der Stadt war immens. Aus diesem Grund forderten am 11. J\u00e4nner 1933 154 Steuerzahler aus Rust in einem Schreiben den Stadtsenat auf, sofortige Schritte zur Umwandlung der Freistadt Rust in eine Stadt ohne eigenen Statut. Begr\u00fcndet wurde diese Forderung dadurch, dass der gro\u00dfe Verwaltungsapparat, Personal- und Sachausgaben, der Freistadt nicht mehr finanzierbar sei. Ein \u00e4hnliches Schreiben richteten die B\u00fcrger zudem an die burgenl\u00e4ndische Landesregierung. Daraufhin kam es am 20. Dezember 1933 zu einer Sitzung des Gemeinderates, an der auch der Landesamtssekret\u00e4r Karl Pomper teilnahm und \u00fcber diesen Gegenstand debattiert wurde. B\u00fcrgermeister Alois Holler stellte sich gegen die Forderung und f\u00fcr eine Beibehaltung des \u201eFreistadt-Statutes\u201c. So meinte er unter anderen:<br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.brettl.at\/wp-content\/uploads\/2024\/02\/Rust18.jpg\"><img decoding=\"async\" class=\"alignleft size-medium wp-image-4163\" src=\"https:\/\/www.brettl.at\/wp-content\/uploads\/2024\/02\/Rust18-300x193.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"193\" srcset=\"https:\/\/www.brettl.at\/wp-content\/uploads\/2024\/02\/Rust18-200x128.jpg 200w, https:\/\/www.brettl.at\/wp-content\/uploads\/2024\/02\/Rust18-300x193.jpg 300w, https:\/\/www.brettl.at\/wp-content\/uploads\/2024\/02\/Rust18-400x257.jpg 400w, https:\/\/www.brettl.at\/wp-content\/uploads\/2024\/02\/Rust18-460x295.jpg 460w, https:\/\/www.brettl.at\/wp-content\/uploads\/2024\/02\/Rust18-600x385.jpg 600w, https:\/\/www.brettl.at\/wp-content\/uploads\/2024\/02\/Rust18.jpg 640w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a>\u201eK\u00f6nnen Sie sich Rust als Dorf vorstellen? K\u00f6nnten Sie die Schmach und den Hohn ertragen, der \u00fcber Sie ausgesch\u00fcttet werden w\u00fcrde. Denken Sie nicht daran, dass Sie sich immer mit Stolz aber auch mit Recht auf die Brust gestossen haben, wenn Sie erkl\u00e4rten. Rust ist etwas besonderes, ist nicht nur der ber\u00fchmte Weinort, nein Rust ist eine Freistadt, ist Bezirk und Stadt in einem.<br \/>\nIch glaube gern, dass die \u00fcbrigen Gemeinden mit Schadenfreude Rust als gleichgestellte, herabgekommene Gemeinde in ihren Verband aufnehmen werden &#8211; denn diese haben Rust und die Ruster seit jeher wegen ihrer Sonderstelle beneidet, diesen Gemeinden w\u00fcrde man die gr\u00f6sste Freude damit bereiten, besonders einer unserer Nachbargemeinden &#8211; die so gerne schon im Bezug auf Weinqualit\u00e4t mit Rust Eins w\u00e4re, wenn nicht schon mehr.<br \/>\nGlauben Sie nicht, dass diese Gemeinde gerne diese Last, welche Rust zu tragen hat, heute noch, auf sich nehmen w\u00fcrde, wenn sie diese Sonderstellung wie Rust erhalten k\u00f6nnte.\u00a0Wenn Sie mir erwidern, ja, es ist alles sehr sch\u00f6n, aber wir sind nicht im Stande, unsere Kraft ist zu Ende, wir k\u00f6nnen diese Last nicht mehr ertragen, so stimme ich in diesem Punkte mit Ihnen \u00fcberein, aber wir m\u00fcssen deshalb nicht gleich Harakiri begehen, wir m\u00fcssen andere Mittel und Wege finden, um die Lasten zu verringern, den Apparat zu vereinfachen.\u00a0Bisher wurde nur gel\u00e4rmt auf der Strasse und im Wirtshaus, hier im Gemeinderat hat man noch sehr wenig oder gar nichts beantragt, wie und wo man sparen oder ersparen k\u00f6nnte &#8211; im Gegenteil &#8211; wenn Sie die Protokolle durchlesen, so werden Sie nur Antr\u00e4ge finden, wo ausgesprochen wird, wir m\u00fcssen Gelder aufnehmen, wir m\u00fcssen Schulden machen.<br \/>\nDie Beamten wurden immer h\u00f6her gestellt, (sogar solche, die darauf gar keinen Anspruch h\u00e4tten und heute noch bei den Schreiern mit dabei sind &#8211; wahrscheinlich, weil Ihnen die Pension zu hoch ist). Vordienstjahre wurden ihnen eingerechnet, damit der Gehalt h\u00f6her wird, ja sogar r\u00fcckwirkend wurden solche Beschl\u00fcsse gefasst und den Beamten tausende Schillinge nachgezahlt. Alle Beamten, bis auf einen wurden pragmatisiert, sogar solche, die bereits einen lebensl\u00e4nglichen Anstellungsvertrag hatten. Sehen Sie sich nur erst die Protokolle durch, dann werden Sie Ihre Wunder erleben.<br \/>\nEs ist unerh\u00f6rt und verwerflich, wenn man heute den Leuten sagt, der Zehetner und der Holler sind Schuld. Die da oben sitzen, haben alles verwirtschaftet. Gott sei Dank, k\u00f6nnen wir jederzeit die wahren Schul\u00addigen nachweisen. Wir sind nur die Opfer, denn wir haben nicht mehr die M\u00f6glichkeit gehabt, Milliarden Gelder aufzunehmen &#8211; wir konnten keine grossen Investitionen vornehmen &#8211; aber die Schulden von diesen, die d\u00fcrfen wir bezahlen.\u00a0Wir d\u00fcrfen heute die Steuerzahler mit gro\u00dfen Umlagen beunruhigen, weil uns nichts anderes \u00fcbrigbleibt. Die Suppe, die andere eingebrockt haben, d\u00fcrfen wir ausl\u00f6ffeln.\u00a0Aber trotzdem bin ich nicht verzagt und werde auf meinen Posten ausharren, ich bin aber fest \u00fcberzeugt, dass es gelingen muss auch ohne Aufgeben von so einschneidenden Rechten die Krise zu \u00fcberwinden. Wir m\u00fcssen Mittel und Wege finden, um sowohl die Lasten abzubauen, als auch neue Einnahmen zu ergr\u00fcnden. Diesbez\u00fcgliche Antr\u00e4ge werde ich demn\u00e4chst einbringen.<br \/>\nWenn man mir vorwirft, dass ich gegen die Auflassung der Freistadtrechte Stellung nehme, dann muss ich Ihnen sagen, was ich bisher schon immer gesagt habe und Wert darauf lege, dass dies protokolliert wird. Ich war, bin und werde immer dagegen sein weil ich:<\/p>\n<ol>\n<li>als nicht eingeborener R\u00fcster gar nicht daf\u00fcr sein darf, ich bzw. meine Familie hat f\u00fcr Rust keine Opfer zur Erreichung der Freistadtrechte gebracht, ich f\u00fchle mich daher nicht berufen, \u00fcber das Aufgeben dieser Rechte zu entscheiden.<\/li>\n<li>bin ich dagegen, weil ich im Aufgeben dieser Rechte keine besondere Erleichterungen, Ersparung und Vereinfachung sehe und 3)<\/li>\n<li>werde ich dagegen sein, weil ich nicht geneigt bin, einstmals den Vorwurf zu kriegen &#8211; ich habe leichtfertig, noch dazu als Nichtruster &#8211; die Freistadtrechte aufgegeben.<\/li>\n<\/ol>\n<p>Ich will aber trotzdem betonen, dass Sie auf mich keine R\u00fccksicht nehmen m\u00fcssen, die Entscheidung dar\u00fcber liegt bei Ihnen, den Sie sind 14 zu 1.\u00a0Ich muss aber feststellen, dass ich trotz meiner Erkl\u00e4rung als gleichberechtigter Staatsb\u00fcrger, genauso wie Sie, berechtigt w\u00e4re, dar\u00fcber zu entscheiden&#8221;.<br \/>\nDie Ausf\u00fchrungen des B\u00fcrgermeisters wurden ohne Debatte zur Kenntnis genommen und vom Auflassen der Freistadtrechte wurde zun\u00e4chst Abstand genommen. (Artinger Heribert, Chronik der Freistadt Rust 1850-1950. Graz 2002, S. 178)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die ungarisch k\u00f6nigliche Freistadt Rust befand sich Anfang der 1930er Jahre in einer finanziell sehr prek\u00e4ren Lage.<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":4163,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[286,61,20],"tags":[109],"class_list":["post-4162","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-286","category-wirtschaft","category-zwischenkriegszeit","tag-rust"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.brettl.at\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4162","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.brettl.at\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.brettl.at\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.brettl.at\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.brettl.at\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=4162"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.brettl.at\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4162\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":4164,"href":"https:\/\/www.brettl.at\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4162\/revisions\/4164"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.brettl.at\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media\/4163"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.brettl.at\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=4162"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.brettl.at\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=4162"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.brettl.at\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=4162"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}