{"id":5165,"date":"2026-03-29T13:16:36","date_gmt":"2026-03-29T11:16:36","guid":{"rendered":"https:\/\/www.brettl.at\/blog\/?p=5165"},"modified":"2026-03-29T13:16:36","modified_gmt":"2026-03-29T11:16:36","slug":"wirtschaftskrise-und-antisemitismus-in-pinkafelder-textilindustrie","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.brettl.at\/blog\/wirtschaftskrise-und-antisemitismus-in-pinkafelder-textilindustrie\/","title":{"rendered":"Wirtschaftskrise und Antisemitismus in Pinkafelder Textilindustrie"},"content":{"rendered":"<p>Bereits in den 1920er Jahren hatte die \u00f6sterreichische Textilindustrie gro\u00dfe wirtschaftliche Herausforderungen zu meistern. Die Weltwirtschaftskrise versch\u00e4rfte die Probleme zunehmend. Auch die burgenl\u00e4ndische Textilindustrie, deren Zentrum sich in Pinkafeld befand, hatte massive Absatzprobleme und Entlassungen waren die Folge. Ein S\u00fcndenbock konnte auch alsbald gefunden werden. So schrieb die Bezirkshauptmannschaft Oberwart am 8. September 1932 an das Amt der Burgenl\u00e4ndischen Landesregierung in Eisenstadt:<br \/>\n<em><a href=\"https:\/\/www.brettl.at\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/20250522_101413-scaled.jpg\"><img decoding=\"async\" class=\"alignleft size-medium wp-image-5166\" src=\"https:\/\/www.brettl.at\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/20250522_101413-300x225.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"225\" srcset=\"https:\/\/www.brettl.at\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/20250522_101413-200x150.jpg 200w, https:\/\/www.brettl.at\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/20250522_101413-300x225.jpg 300w, https:\/\/www.brettl.at\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/20250522_101413-400x300.jpg 400w, https:\/\/www.brettl.at\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/20250522_101413-600x450.jpg 600w, https:\/\/www.brettl.at\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/20250522_101413-768x576.jpg 768w, https:\/\/www.brettl.at\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/20250522_101413-800x600.jpg 800w, https:\/\/www.brettl.at\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/20250522_101413-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/www.brettl.at\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/20250522_101413-1200x900.jpg 1200w, https:\/\/www.brettl.at\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/20250522_101413-1536x1152.jpg 1536w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a>\u201eIn der Feintuch- und Schafwollfabrik der Hutter &amp; Schranz A.G. in Pinkafeld wurden mit 26. und 27. August 1932 gegen 60 bis 70 Arbeiter aller Kategorien wegen Auflassung der Schichtenarbeit und wegen Arbeitsmangel auf unbestimmte Zeit abgebaut.<br \/>\n<\/em><em>Meine in dieser Hinsicht gepflegten Erhebungen haben folgendes ergeben:<br \/>\n<\/em><em>Die Firma Hutter &amp; Schranz hat am 27. August 1932 64 Arbeiter auf unbestimmte Zeit entlassen. Hievon wurden betroffen: 26 m\u00e4nnliche, 38 weibliche, darunter 24 verheiratete, 40 ledige, 57 inl\u00e4ndische, aus dem Burgenlande stammend und 7 ausl\u00e4ndische Arbeiter. Es handelt sich um Weber, Spinner, Spuler und Zwirner.\u00a0<\/em><em>Ausl\u00e4ndische, bei der Firma angestellte Spezialarbeiter sind nicht abgebaut worden. Die 7 entlassenen ausl\u00e4ndischen Arbeiter sind Frauen, welche schon seit dem Jahre 1922 ununterbrochen bei der Firma als Weberinnen und Spulerinnen in Arbeit stehen und deren M\u00e4nner auch heute noch dort besch\u00e4ftigt werden.\u00a0<\/em><em>Bei normalem Betrieb, also vor Einf\u00fchrung der Schichten besch\u00e4ftigte die Firma 250 Arbeiter. Infolge Einf\u00fchrung der Schichten besch\u00e4ftigte die Firma 250 Arbeiter. Infolge Einf\u00fchrung der Schichten wurden zirka 30 Arbeiter neu aufgenommen und angelernt, welche nun auch zur Entlassung gelangten. Die \u00fcbrigen abgebauten Arbeiter standen schon zur Zeit der Konjunktur und vor Einf\u00fchrung der Schichten bei der Firma Hutter &amp; Schranz in Arbeit.\u00a0<\/em><em>Laut eingeholter, von verl\u00e4sslicher Seite stammender Information ist der Grund der Arbeiterentlassungen auf Absatzstockungen, die j\u00e4hrlich in der \u00dcbergangszeit von der Sommer- auf die Wintersaison eintreten, zur\u00fcckzuf\u00fchren. Die Firma hofft zuversichtlich, die entlassenen Arbeiter innerhalb 6 bis 8 Wochen wieder in den Betrieb einstellen zu k\u00f6nnen.\u00a0<\/em><em>In Pinkafeld war das Ger\u00fccht verbreitet, dass die j\u00fcdischen Firmen, welche Hutter &amp; Schranz Stoffe beziehen, in letzter Zeit die Bestellungen zur\u00fcckzogen. Dies soll deshalb erfolgt sein, weil Direktor L\u00fcpertz, ein reichsdeutscher Staatsangeh\u00f6riger, im Betriebe der Firma Hutter &amp; Schranz der nationalsozialistischen Bewegung eine F\u00f6rderung angedeihen l\u00e4sst. Es bestand nun in der \u00d6ffentlichkeit die Meinung, dass die Arbeiterentlassungen nur infolge Zur\u00fcckziehung der Bestellungen von Seite der j\u00fcdischen Firmen verursacht wurde.<br \/>\n<\/em><em>Wie erhoben wurde, entbehren diese Ger\u00fcchte jeder Grundlage. Es wurde festgestellt, dass auch bei der Pinkafelder Firma Alexander Putsch und Holzer infolge der \u00dcbergangszeit Arbeitsmangel besteht. Auch hier wurde schon die Entlassung von Arbeitern in Erw\u00e4gung gezogen, doch ist bisher eine derartige Massnahme noch unterblieben.\u00a0<\/em><em>Bemerkt wird, dass die Pinkafelder Textilindustrie im Allgemeinen nur auf Bestellung arbeitet \u2013 nicht auf Lager.<br \/>\n<\/em><em>Direktor Adolf Friedrich jun. Der Putschfabrik hat mir erw\u00e4hnt, dass im \u00fcbrigen \u00d6sterreich die Textilindustrie derzeit \u00fcberhaupt stehe, weil die Weltkrise sich auswirke. Die Erzeugnisse der \u00f6sterr. Textilindustrie, auch die Pinkafelder Fabriken sind n\u00e4mlich in Form von fertigen Kleidern (Konfektion) nach aller Welt in\u00b4s Ausland gegangen, wo sie vornehmlich wegen des Wiener Geschmacks der Kleideranfertigung sehr gesucht sind.<br \/>\n<\/em><em>Der Bezirkshauptmann Alzner e.h.\u201c\u00a0<\/em>(BLA, Polizei 1932, Zl. 2595-1932)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bereits in den 1920er Jahren hatte die \u00f6sterreichische Textilindustrie gro\u00dfe wirtschaftliche Herausforderungen zu meistern. <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":5166,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[293,29,61],"tags":[85],"class_list":["post-5165","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-293","category-judentum","category-wirtschaft","tag-pinkafeld"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.brettl.at\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5165","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.brettl.at\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.brettl.at\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.brettl.at\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.brettl.at\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=5165"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.brettl.at\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5165\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":5167,"href":"https:\/\/www.brettl.at\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5165\/revisions\/5167"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.brettl.at\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media\/5166"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.brettl.at\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=5165"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.brettl.at\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=5165"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.brettl.at\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=5165"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}