{"id":5172,"date":"2026-04-12T09:02:30","date_gmt":"2026-04-12T07:02:30","guid":{"rendered":"https:\/\/www.brettl.at\/blog\/?p=5172"},"modified":"2026-04-12T09:02:30","modified_gmt":"2026-04-12T07:02:30","slug":"verurteilt-wegen-verbrechen-gegen-die-menschlichkeit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.brettl.at\/blog\/verurteilt-wegen-verbrechen-gegen-die-menschlichkeit\/","title":{"rendered":"Verurteilt wegen \u201eVerbrechen gegen die Menschlichkeit\u201c"},"content":{"rendered":"<p>Franz Langm\u00fcller wechselte 1934 von der Wiener Sicherheitspolizei zur Kriminalpolizei. Im April 1941 kam SS-Obersturmf\u00fchrer Franz Langm\u00fcller als stellvertretender Lagerleiter nach Lackenbach, das der Kriminalpolizeistelle Wien unterstand. Im Fr\u00fchling 1941 kam es zu Masseneinweisungen und die Zahl der Roma-H\u00e4ftlinge stieg auf bis zu 2.000 Personen an. Das Lager war f\u00fcr diese gro\u00dfe Anzahl nicht ausger\u00fcstet, es gab zu wenig Trinkwasser und keine sanit\u00e4ren Einrichtungen. Im Winter 1941 brach eine Typhusepidemie aus, der ca. 250-300 Romnija und Roma zum Opfer fielen. Als der Lagerkommandant ebenfalls an der Seuche starb, folgte ihm im J\u00e4nner 1942 sein Stellvertreter Franz Langm\u00fcller als Leiter nach. Der neue Kommandant Langm\u00fcller versuchte, sich mit brutaler Gewalt und Sadismus Autorit\u00e4t zu verschaffen.<br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.brettl.at\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/84.jpg\"><img decoding=\"async\" class=\"alignleft size-medium wp-image-5173\" src=\"https:\/\/www.brettl.at\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/84-300x174.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"174\" srcset=\"https:\/\/www.brettl.at\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/84-200x116.jpg 200w, https:\/\/www.brettl.at\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/84-300x174.jpg 300w, https:\/\/www.brettl.at\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/84-400x232.jpg 400w, https:\/\/www.brettl.at\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/84.jpg 498w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a>1948 erfolgte vor dem Volksgerichtshof die Anklage wegen der Vorf\u00e4lle in Lackenbach. Franz Langm\u00fcller rechtfertigte sein Vorgehen folgenderma\u00dfen: \u201e<em>Ich<\/em> <em>bekenne mich nur teilweise schuldig. Im Jahre 1930 kam ich zur Wiener Sicherheitswache, woselbst ich bis 1934 Dienst versah. 1934 wurde ich der Kriminalpolizei, Sicherheitsb\u00fcro \u2013 Einbruchreferat \u2013 zugeteilt, verblieb dort bis 1938 und wurde dann dem t\u00f6dlichen Verkehrsunfallsb\u00fcro-Einbr\u00fcche \u2013 zugeteilt, war dann Diensthundef\u00fchrer und im April 1941 kam ich in das Zigeunerlager in Lackenbach, Burgenland.\u00a0<\/em><em>Dieses Lager befand sich au\u00dferhalb der Ortschaft auf einen H\u00fcgel in einem Meierhof, und befanden sich bei meiner \u00dcbernahme zirka 200 Insassen dortselbst. Sie waren aus M\u00e4nnern, Frauen und Kinder zusammengesetzt, in der Hauptsache waren es herumziehende Zigeuner und solche die vorbestraft waren. Die Einweisung in dieses Lager oblag der Kripoleitstelle Wien, Dienststelle f\u00fcr Zigeunerfragen. [\u2026] <\/em><em>Nat\u00fcrlich war ich entsetzt und w\u00fctend, als ich bemerkte, dass die Zigeuner zu faul waren, die Latrine aufzusuchen und ihre Notdurft ganz einfach in ihren Betten und Zimmern verrichteten. Ich will nicht abstreiten, dass ich da ab und zu Ohrfeigen austeilte. [\u2026] Ich hatte mit gro\u00dfen Schwierigkeiten zu k\u00e4mpfen und fand keinerlei Unterst\u00fctzung bei meiner vorgesetzten Beh\u00f6rde, sondern hie\u00df es blo\u00df immer, ich solle mir helfen, wie ich eben k\u00f6nne. Dr. Belihart war Lager- und Gemeindearzt und ich habe mich des \u00d6fteren \u00fcber die schlechten sanit\u00e4ren Verh\u00e4ltnisse im Lager beschwert. [\u2026]\u00a0 <\/em><em>Direkte Schl\u00e4ge oder Misshandlungen der Lagerinsassen bestreite ich auf das entschiedenste. [\u2026] Um Missst\u00e4nde abzuhelfen, musste ich energisch durchgreifen. Ich muss daher die M\u00f6glichkeit zugeben, dass ich ab und zu Ohrfeigen an Lagerinsassen austeilte und auch ab und zu Schl\u00e4ge mit dem Reitstaberl versetzte. Die Schl\u00e4ge verabreichte ich aber erst, als das gute Zureden nichts n\u00fctzte. [\u2026]\u201c<br \/>\n<\/em>Franz Langm\u00fcller, der ehemalige Kommandant des Lagers Lackenbach, wurde am 15. Oktober 1948 vom Volksgerichtshof f\u00fcr schuldig befunden. In der Urteilsbegr\u00fcndung wurde festgehalten, dass die Anordnungen von Langm\u00fcller der Menschlichkeit und der Menschenw\u00fcrde widersprachen und dass \u201eunter Ausn\u00fctzung dienstlicher Gewalt Menschen, n\u00e4mlich Zigeuner, in einen qualvollen Zustand versetzt und empfindlich misshandelt und in ihrer Menschenw\u00fcrde gekr\u00e4nkt und beleidigt\u201c worden waren. Der SS-Obersturmf\u00fchrer Franz Langm\u00fcller wurde zu einem Jahr schweren Kerkers verurteilt. Das milde Urteil begr\u00fcndete das Gericht damit, dass Langm\u00fcller unbescholten war, ein Teilgest\u00e4ndnis abgelegt und einen guten Leumund hatte. Zudem wies man darauf hin, dass wegen der Seuchengefahr eine gewisse Zwangslage geherrscht hatte und er von seiner Dienstelle nicht die n\u00f6tige Unterst\u00fctzung erhalten hatte.<br \/>\nFranz Langm\u00fcller konnte bereits nach zweieinhalb Monaten das Gef\u00e4ngnis als freier Mensch wieder verlassen. (DOEW, Akt 09626)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Franz Langm\u00fcller wechselte 1934 von der Wiener Sicherheitspolizei zur Kriminalpolizei. <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":5173,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[293,48,49],"tags":[51],"class_list":["post-5172","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-293","category-nationalsozialismus","category-roma","tag-lackenbach"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.brettl.at\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5172","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.brettl.at\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.brettl.at\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.brettl.at\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.brettl.at\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=5172"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.brettl.at\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5172\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":5174,"href":"https:\/\/www.brettl.at\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5172\/revisions\/5174"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.brettl.at\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media\/5173"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.brettl.at\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=5172"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.brettl.at\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=5172"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.brettl.at\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=5172"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}