In der Gemeinde Schattendorf kam es am 30. Jänner 1927 zu einem Zusammenstoß zwischen der rechtsgerichteten Frontkämpfervereinigung und dem Republikanischen Schutzbund. Im Zuge der Auseinandersetzung wurden durch Schüsse zwei Menschen, ein Kind und ein Kriegsinvalide getötet. Das spätere Gerichtsurteil, bei dem die Schützen freigesprochen wurden, führte in Wien zu Demonstrationen und Unruhen, die 89 Tote forderten und die österreichische Innenpolitik zunehmend radikalisierte.
Im Juni 1929 kam es auch in Weiden am See zu einer Auseinandersetzung zwischen der Heimwehr und dem Schutzbund. Die rechtsgerichtete „Reichspost“ berichtete über den Vorfall und schon die Überschrift „Beinahe ein zweites Schattendorf?“ will suggerieren, dass die „Schüsse von Schattendorf“ durch das Verhalten des Schutzbundes hervorgerufen wurden:
„Mehrere sozialdemokratische Jugendorganisationen des Bezirkes Neusiedl am See veranstalteten kürzlich in Weiden am See einen Jugendtag, bei dem anscheinend den Teilnehmern der Kamm gewaltig schwoll. Als sie nach Hause marschierten und durch Weiden zogen, das schon häufig der Schauplatz von marxistischen Überfällen war, erfuhren sie, daß im Gasthof, der an der Straße von Weiden nach Neusiedl liegt, eine Heimwehrversammlung stattfinden sollte. Sie brachen in Schmährufe aus und riefen provozierend „Freundschaft“. Im Gasthof befanden sich aber nur einige katholische Jungmänner, da die Heimwehrversammlung abgesagt worden war. Zwei oder drei von ihnen erwiderten die Freundschaftsrufe mit „Heil!“ Daraufhin kommandierte der Führer der roten Jünglinge, der Lehrer Pfneisl aus Jois, dem Zuge Halt, die Burschen stürmten auf das Gasthaus los und, nachdem noch rasch die Genossen des Ortes alarmiert und zur Verstärkung herbeigerufen worden waren, wurde ein Generalangriff auf das Wirtshaus unternommen. Die wenigen Gäste wurden verletzt, auch der Bruder des Wirtes trug Verwundungen davon. Die Überfallenen wichen sofort der Übermacht, um ein größeres Unglück zu verhüten und, obgleich die Horde nur mehr dem Wirt gegenüberstand, begann sie die Einrichtung kurz und klein zu schlagen. Nicht weit von den Genossen befanden sich Nationalrat Haretter [sic!] und Landesrat Till. Die beiden Volksvertreter begannen aber erst in dem Augenblick auf ihre Begleiter „beruhigend einzuwirken“, als die Gendarmerie erschien.
Interessant ist, daß der Wirt Georg Schütz von Heißspornen aufgefordert worden war, sein Besitztum mit der Waffe zu verteidigen. Hätte der Wirt diesen Rat befolgt, so hätte es in seinem Hause keine Verletzten gegeben und seine Einrichtung wäre unversehrt geblieben. Die Rowdies freilich, die Wildwestüberfälle veranstalteten, wären die armen Opfer gewesen und neuerlich wäre ein Racheschrei über die „Arbeitermörder“ durch die Welt gegangen.“ (Reichspost vom 12. Juni 1929, S. 4)
Eine objektive Darstellung der Vorfälle in Weiden am See liegt dem Autor nicht vor.