Mit Kriegsende brachen in den westungarischen Gemeinden Unruhen aus. Die Verwaltungen und Behörden wurden vielfach als Schuldige für die missliche Lage angesehen. Über einen Vorfall im November 1918 in der Gemeinde Pöttsching berichtet die Ödenburger Zeitung:
„Attacke auf ein Gemeindehaus. Vier Plünderer erschossen.
Das Gemeindehaus von Pecsenyéd (Pöttsching) wurde gestern von einer etwa 300köpfigen Volksmenge attackiert, gegen die sich die vier Gendarmen als völlig machtlos erwiesen. Die Menge verlangte die Übergabe der Waffen, welcher Aufforderung die behördlichen Organe nicht Folge leisteten, worauf die Attacke erfolgte. Die Stürmer benützen bei dieser Gelegenheit auch Handgranaten, die sie sich vom „grüner Kader“ in Szarvkö (Hornstein) verschafften und die Gendarmen waren gezwungen, vor der Übermacht zu weichen. Zwei flüchteten bei einem rückwärtigen Ausgang, einer der Gendarmen verschwand, der vierte aber, Wachtmeister Johann Debitsch, blieb am Platze, was er sehr zu büßen hatte, denn des „Souveräne Volk“ fiel über ihn und schlug ihn derart, daß er schwer verwundet nach Sopron gebracht werden mußte. Daß Debitsch überhaupt noch lebend davonkam, dankt er dem Umstand, daß die Leute den ohnmächtigen Gendarmen, den sie in eine Holzkammer warfen, tot glaubten. Diese aber kam später doch zu sich, vermochte sich trotz blutender Wunden bis zur Station des Kurortes Savanyúkút (Sauerbrunn) zu schleppen, von wo er ins Elisabethspital befördert wurde. – Das Schicksal des verschwundenen Gendarmen ist gegenwärtig noch unbekannt. Von den Stürmern sollen angeblich vier erschossen worden sein du groß ist auch die Zahl der verwundeten, die von den Revoltierenden mit nach Hause geschleppt wurden. Als ein jedenfalls höchst merkwürdiges Detail der Revolte wird verzeichnet – was wir natürlich mit großer Reserve reproduzieren – daß ein geschworener einer der Anführer des Raubüberfalls gewesen sein soll. Als das Gemeindehaus im Besitze der Stürmer war, wurden die dort in großen Mengen aufbewahrten, den Schmugglern des Dorfes abgenommenen Waren geraubt. Das Soproner Flügelkommando wandte sich um Verstärkung der Gendarmerie nach Györ.“
Wenig später erschien in Pöttsching der Leiter der Soproner Staatsanwaltschaft in Begleitung von 75 Gendarmen und einer großen Anzahl von Offizieren, um die Unruhen zu untersuchen. Sieben Männer und eine „Weibsperson“, darunter der Sohn und die Tochter des Ortsrichters, wurden verhaftet und ins Soproner Gefängnis gebracht. In zahlreichen Häusern fanden Hausdurchsuchungen statt, wobei ein großer Teil der aus der Notarwohnung geraubten Gegenstände aufgefunden wurde. Die örtlichen Zeitungen meldeten, dass österreichische Unruhestifter für die Aufstände verantwortlich seien, um die Einwohner von Ungarn loszureißen.
(Ödenburger Zeitung vom 14.11.1918, S. 2 und 22.11.1918, S.4)
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