Freischärlerüberfall auf einen Fischhändler

Die Übergabe des Burgenlandes an Österreich verhinderten ab August 1921 die sogenannten ungarischen Freischärler – Paramilitärs, die offiziell der Regierung nicht unterstanden, inoffiziell jedoch von dieser mit Waffen und Geld unterstützt wurden. In den folgenden Monaten kontrollierten die Freischärler das Burgenland und drangsalierten die Bevölkerung. Johann Mad, Landwirt aus Oggau beschreibt eine Begegnung folgendermaßen:
fische„Ich erlaube mir mit Nachstehenden die Bitte um Gutmachung eines Schadens vorzubringen, der mir im Jahre 1921 durch die zur damaligen Zeit im Burgenland gewesenen ungarischen Freischärler zugefügt wurde. Ich bin am 30. Oktober 1921 mit zwei Wägen Fische im Gesamtgewicht 1168 kg von Oggau nach Donnerskirchen (Fertöfehéregyháza) gefahren um dieselben auf dem Markt nach Wien zu bringen. Hiezu hatte ich mir am 28.9.1921 die Bewilligung von der in Eisenstadt (Kismarton) intablierten Entente Kommission eingeholt; desgleichen hat mir am 8.10. der Kdt. der Freischärlerwache Oblt. Dr. Balogh in Donnerskirchen die auf 60 Tage giltige [sic!] Bewilligung zur Grenzüberschreitung ausgestellt. Trotzdem ich mit den giltigen Ausweispapieren versehen war, hat mich der in Donnerskirchen postierte Freischärler Leutnant Czereo aufgehalten, und von mir die Bezahlung von 6.400 ung. Kronen verlangt. Nachdem ich mir diese Summe von Bekannten ausgeliehen hatte und sie dem Lt. Czerneo gegeben habe, verlangte er außerdem per Meterzentner ein Ablösegeld von 2.000 ung. Kronen. Das hätte mehr ausgemacht als die ganze Ladung Fische wert war, darum habe ich mich geweigert zu zahlen und über diesen Vorgang sehr aufgebracht, umsomehr ich ihnen ohnehin 80 kg Fische geschenkt hatte. Durch den im Wirtshaus anwesenden Bekannten Josef Gruber (derzeit Gastwirt in Maria Lanzendorf) wurde ich auch noch bestärkt, nichts zu zahlen.
Daraufhin griffen die zugegen gewesenen 3 Freischärler zu den Waffen, einer auch zur Handgranate, mir und dem Josef Gruber wurden das Gewehr vorgehalten und mit dem Erschießen gedroht Alle Leute, auch der Wirt (Wellner) flüchteten aus dem Lokal. Gruber und ich haben uns über diese Handlungsweise beschwert, Gruber beschimpfte sie auch. Der Streit ging hin und her, bis sich auch noch der Bruder des Josef Gruber, Karl Gruber, (derzeit Gastwirt in Donnerskirchen) in beruhigender Weise einmengte. Dessen langem Zureden auf seinen Bruder und Vermitteln mit den Freischärlern gelang es endlich uns die Freiheit zu verschaffen.
Durch diesen von den Freischärlern verursachten Aufenthalt von 3 Stunden in Donnerskirchen sind mir, bevor ich im Weiterfahren nach Wien gekommen bin, alle Fische krepiert. Der dadurch entstandene Schaden beträgt nach heutigen Kaufpreis S 3.500,- und 6.400 ung. Kronen. Ich bitte das hohe Bundeskanzleramt mir den ohne mein Verschulden und aus den damaligen grenzpolitischen Verhältnissen entstandenen Schaden zu vergüten.
Johann Mad, Landwirt, Oggau Nr. 52, Bgld.“
(Rainprecht. Oggau 1921 – 2004. Manuskript. S. 1)

 

2017-06-10T08:18:44+00:0010. Juni 2017|Westungarn|0 Kommentare

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