Ein „rotes Nest“ wird braun

Bei den letzten freien Wahlen, den Gemeinderatswahlen 1931, erhielt die SPÖ in Hornstein rund 65% aller gültigen Stimmen. Hornstein wurde zu dieser Zeit als sozialdemokratische Hochburg bezeichnet. Nach dem Anschluss Österreichs bekannten sich bei der nicht demokratischen Volksabstimmung 100% zu Hitler-Deutschland. Die NS-Propaganda benützte dieses Ergebnis, um für sich zu werben. In einem Artikel vom 13. April 1938 werden im „Kleinen Blatt“ zwei ehemalige Repräsentanten der Sozialdemokraten, der langjährige ehemalige Bürgermeister Anton Probst und der Gründer der Wiener Naturfreunde Leopold Happisch, als neue NS-Gefolgsleute zitiert:
1938„Auch Hornstein hat das erwartet.
Als letzte Station besuchen wir Hornstein, einst so wie Neufeld ein „rotes Nest“. Wir fahren hinauf auf die Ortsanhöhe und besuchen den Probst, der durch dreizehn Jahre hindurch sozialdemokratischer Nationalrat war.
‚I hab auch mit „Ja“ gstimmt‘ sagt er. I hab mei Stimm auf zwei Karten gsetzt. Erstens gegen Schuschnigg, zweitens auf Adolf Hitler. Über Schuschnigg verlier ich ka weiters Wort und von Adolf Hitler hab ich schon a Menge gsehn. Viel is bei uns zu machen. Wir haben achtzig Prozent Arbeitslose, unser Braunkohlewerk steht unter Wasser, und so fort. Das „Ja“ hab i freudig und ehrlich abgebn!‘
Unter an der Reichsstraße liegt das kleine Heim des früheren Naturfreunde-Reichsobmannes Leopold Happisch. Auf seinem Tisch liegt das kleine Blatt. „Ja, ich hab gemeinsam mit allen andern „Ja“ gstimmt“, erklärt er uns. „Ich hab damit gegen die Schandregierung Schuschnigg und für den Nationalsozialisten Hitler gestimmt. Die hundert Prozent hier haben alle erwartet!“
(Kleinen Blatt vom 13.4.1938)

2019-07-06T09:13:14+00:0006. Juli 2019|Nationalsozialismus|0 Kommentare

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