Mit der Erlangung ihres 16. Lebensjahres wurden die Burschen während des Zweiten Weltkrieges als Luftwaffenhelfer herangezogen. Sie ersetzten dort Soldaten, die von den Flakstellungen an die Front abgezogen worden waren. Auch die Schüler erhielten ihren Einsatzbescheid und wurden zu einer Grundausbildung eingezogen. Dabei erwarben die Schüler Kenntnisse über die Flugabwehrgeschütze und Wissen über die Flugzeugerkennung. Nach der Ausbildung wurden die Schüler zum militärischen Dienst herangezogen. Als Luftwaffenhelfer hatte man die Aufgabe, dem Lagerkanonier die Geschütze zu reichen. Bei Bombardierungen, Fliegerangriffen oder Unfällen an den Geschützen verloren auch HJ-Mitglieder ihr Leben.
Auch die Schüler der Oberschule in Eisenstadt (Vorläufer des Gymnasiums Kurzwiese) wurden als Luftwaffenhelfer ausgebildet. Direktor Richard Seidelmann informierte die Eltern am 21. Dezember 1943 über den Einsatz:

Luftwaffenhelfer

Als Luftwaffenhelfer 1944 am Flugfeld bei Graz © Walter Fandl, Güssing

„Elternbrief. An die Eltern des als Luftwaffenhelfer vorgesehenen Schülers der Oberschule für Jungs in Eisenstadt.
Der Führer hat zum Einsatz aller Kräfte aufgerufen. Die Soldaten an der Front erwarten, dass ihnen die Heimat mit allen Kräften zur Seite tritt und dass alles getan wird, was zur Errichtung des Sieges beitragen kann.
Die gewaltigen Erfolge, die das deutsche Volk seit Ausbruch dieses ihm aufgezwungenen Krieges erkämpfte, hat es dem Genie des Führers zu verdanken. Er hat durch seine Taten bewiesen, dass er zur Abwendung einer drohenden Gefahr zur rechten Zeit die richtigen Mittel zu finden vermag. Jetzt ist es sein Wille, dass im Rahmen des ausnahmslosen Kriegseinsatzes des ganzen Volkes auch die Schüler der Jahrgänge 1927 und 1928, soweit sie den 5. und 6. Klassen Angehören, als Helfer bei der Luftwaffe im Heimatgebiet eingesetzt werden können.
Während ihres Einsatzes werden die Luftwaffenhelfer im wissenschaftlichen Unterricht, der 4 Wochen nach Beginn des Einsatzes mit etwas 18 Wochenstunden auch weiterhin erteilt wird, und im Innendienst von Lehrern der Höheren Schule betreut.
Die eingezogenen Jugendlichen sind im rechtlichen Sinne keine Soldaten, sondern Schüler. Kommen sie aber zu Schaden, so werden sie wie Soldaten versorgt, behandelt und betreut. Nähere Einzelheiten über Unterkunft, Verpflegung, Bekleidung, ärztliche Betreuung, Krankenversicherung usw. enthält der Heranziehungsbescheid, der ihnen demnächst zugehen wird.
Ihr Sohn wird stolz darauf sein, dass er bereits in noch nicht wehrpflichtigem Alter der Wehrmacht im Heimgebiet Hilfsdienst leisten darf.
Ich bin überzeugt, dass auch Sie alles gutheissen [sic!] werden, was die umfassende Entfaltung der kriegerischen Kraft unseres Volkes fördert und uns dem Siege näherbringt.
Die Luftwaffenhelfer unserer Schule werden voraussichtlich in Wien als Luftwaffenhelfer eingesetzt. Studienrat Dr. Hans Kobler wird sie am 5. Jänner 1944 auf der Fahrt zum Einsatzort begleiten und später über die ersten Tage ihres Einsatzes berichten.
Heil Hitler
Anstaltsleiter“
(Archiv des Gymnasiums Kurzwiese, Korrespondenz 1943. Dank an Direktorin Karin Rojacz-Pichler)