Versetzung eines kroatischen Pfarrers gefordert

Ziel des Nationalsozialismus war es, die Kirche aus dem öffentlichen Leben zu verdrängen, die Kirchenseelsorge einzuschränken und den Einfluss der Kirche auf die Jugend zurückzudrängen. Bereits kurz nach der NS-Machtübernahme begannen die Repressalien gegenüber Kirchenvertretern, die als Gegner bekannt waren. Etwa 20 Priester mussten ihre burgenländischen Pfarren aufgeben. Noch viel größer ist die Zahl derer, die Predigt- und Unterrichtsverbot erhielten.
BildstockAm 6. Mai 1938 fasste der Gemeinderat von Markt St. Martin den einstimmigen Beschluss, bei den zuständigen Stellen den Antrag um Versetzung des Pfarrers Gregor Palkovich zu stellen. Als Begründung gab man an:
„Herr Pfarrer Gregor Palkovich hat er vor Umsturzzeit wiederholt in seinen Predigten von der Kanzel den Nationalsozialismus auf das heftigste angegriffen und Hetzreden gegen die nationalsozialistische Partei geführt. {…] Herr Gregor Palkovich hat sich durch seine Predigten gegen den Deutschen Staat und gegen die deutsche Schutzarbeit unter der deutschen Bevölkerung der hiesigen Gemeinde sehr unbeliebt gemacht und es ist selbstverständig und einleuchtend, dass eine deutsche Gemeinde einen kroatischen Pfarrer nicht länger dulden will und kann. […] Es wird daher beantragt, die baldige Versetzung des Herrn Pfarrers Gregor Palkovich zu veranlassen, zumal ein kroatischer Pfarrer in einer kroatischen Gemeinde mehr Anhang finden wird.
Heil Hitler. Der Bürgermeister.“ (Brettl Herbert. Nationalsozialismus im Burgenland. S.129)

2016-11-24T20:43:01+00:0020. September 2015|Nationalsozialismus, Religion|1 Kommentar

Ein Kommentar

  1. Rene Authried 19. Dezember 2015 at 12:23 - Reply

    Der Beitrag ist sehr interessant geschrieben. Es wird sehr deutlich gemacht, dass der Nationalsozialismus selbst vor Glaube und Religion keinen halt gemacht hat.

    Aus dem Buch “Nationalsozialismus im Burgenland. Opfer, Täter, Gegner” von Dr. Herbert Brettl, gehen auch weitere Beispiele hervor, wie es Geistlichen zur damaligen Zeit gegangen ist. U.a. ist die Geschichte von Josef Lang (im oben genannten Buch von S. 144-145 zu finden) sehr empfehlenswert zu lesen. Schon die Überschrift “Ein Priester im Kampf mit dem Nationalsozialismus” regt zum Lesen an. Was noch zum Beitrag nennenswert ist: Josef Lang war aus Stoob, diese liegt zwei Ortschaften weiter von Markt Sankt Martin, der Gemeinde, in der Pfarrer Gregor Palkovich nach seinen Predigten abgelehnt wurde.

    Zum Thema ist mir dann noch ein Handout von meinem ehemaligen Klassenvorstand und Religionsprofessor des BG|BRG|BORG Oberpullendorf in die Hände gefallen: “Der Gottes-Sohn-Anspruch Jesu nach Johannes und seine Blasphemie durch Adolf Hitler”, heißt es in der Überschrift. Auf diesem einseitigen Handout sind verschiedene Bibelstellen des Johannesevangeliums aufgelistet und dazu parallel gestellt, wie diese Bibelstellen in den Reden Hitlers eingebaut wurden. Hier zwei Kostproben:
    Joh 14,7: Wenn ihr mich erkannt habt, werdet ihr auch meinen Vater erkennen. Schon jetzt kennt ihr ihn und habt ihn gesehen.
    Hitler spricht in einer Rede am 11.9.2936 vor dem Reichsparteitag: “Nicht jeder von euch sieht mich und nicht jeden von euch sehe ich, Aber ich fühle euch und ihr fühlt mich.” oder
    Joh 14,20: An jenem Tag werdet ihr erkennen: Ich bin in meinem Vater, ihr seid in mir und ich bin in euch.
    Hitler spricht in einer Rede am 7.5.1933 in Kiel vor 45.000 SA-Männern: “Ihr seid n mir und ich bin in euch.”
    Auf diesem Handout sind dann noch weitere solche Beispiele angeführt. Als Quelle ist angegeben: Lebenswege Glaubenswege, Religionsbuch AHS 8. Klasse; 7. Aufl., Wien 1998, “.86.
    Doch ich denke, bereits diese zwei Beispiele reichen aus, um zu zeigen, wie Hitler selbst das wohl bekannteste Buch der Welt – das Buch des Glaubens für rund 2 Milliarden Menschen – für seine grausamen Zwecke missbraucht hat.

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