Bürgerkrieg in der „marxistischen Hochburg“?

Am 12. Feber 1934 erhob sich, ausgelöst durch eine Waffendurchsuchung in der Oberösterreichischen Parteizentrale in Linz, der Republikanische Schutzbund. Der Bürgerkrieg brach in Österreich aus und forderte mehr als 300 Tote. Im Burgenland verlief der Bürgerkrieg relativ ruhig. Nur in einigen Orten, wie zum Beispiel Neufeld/Leitha, Pöttsching, Siegendorf, Mörbisch oder Neutal, kam es vereinzelt zu Zusammenstößen. Die regierungstreue Zeitung „Burgenländische Heimat“ meinte am 24. Feber 1934, dass die aufmerksame Exekutive ein größeres Blutvergießen verhindert hätte:
„Die rote Hochburg Neufeld – gefallen. Die schweren Tage, die Österreich durchlebt hat, haben in Neufeld, dieser marxistischen Hochburg an der Grenze des Burgenlandes gegen Niederösterreich, glücklicherweise keine Blutopfer gefordert. Neufeld darf von ganz besonderem Glück reden, weil Neufeld unter Führung der gewesenen Bürgermeister Schön und Hammer ein schwer bewaffnetes Bolschewikenlager geworden war, das mit 270 funkelnagelneuen Mannlichergewehren ausgerüstet war. Nach einem eben erst zutage geförderten Plane sollte der Stadel des Herrn Alois Schnitzhofer (örtlicher Heimwehrführer) und verschiedene Scheunen im Dorf in Brand gesteckt werden und während die Löscharbeiten im Zuge gewesen wären, hätte der Angriff der Rotgardisten erfolgen sollen. Daß das Vorhaben der land- und volksfremden Bolschewiken nicht zur Auswirkung kam, verdankt Neufeld nur dem entschlossenen und raschen Zupacken der Neufelder Polizei, die zuerst die roten Führer in sicheren Gewahrsam brachte. Im Zuge dieser Verhaftungen wurden nacheinander 18 Führer hinter Schloß und Riegel gesetzt, bei denen 6 scharf geladene Revolver gefunden wurden. […] Nachdem die Oberbonzen ausgeschaltet waren, entfalteten einzelne jugendliche Elemente eine rege Tätigkeit, um die Roten zu sammeln und einen Angriff auf Neufeld in die Wege zu leiten. In der Nacht von Dienstag auf Mittwoch sammelte sich ein starkes Aufgebot von Rotgardisten a, Leithaufer, um im Verein mit Zillingdorfer Banden einen konzentrierten Angriff zu unternehmen. Dieser Anschlag kam aber rechtzeitig den Ordnungskörpern zu Ohren und wurde vereitelt. […]“
(In: Burgenländische Heimat vom 24.2.1934. 14 Jahrgang)

2019-11-27T07:36:29+00:0027. November 2019|Zwischenkriegszeit - Politik|0 Kommentare

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