Seidenraupenzucht für den Krieg

Auch die Kinder und Jugendlichen hatten während des Zweiten Weltkrieges für die Kriegswirtschaft ihren Anteil zu leisten. Einen wichtigen Beitrag lieferten dazu die Schulen. Die Kinder wurden angehalten, Teekräuter und Heilpflanzen zu sammeln. Sie klaubten Pilze, Beeren oder Kartoffelkäfer, Papier, Textilien, Metall, Glas, Leder oder Knochen, die als Rohstoffersatz dienten. Viele Schulen beteiligten sich an der NS-Aktion „Seidenraupenzucht“, die für die Herstellung von Fallschirmen von Nöten war. Die Kinder sammelten in der Unterrichtszeit Maulbeerbaumblätter, um damit die Seidenraupen zu füttern. Die Lehrer waren für die Organisation und die Kokons verantwortlich und die NS-Behörden ermunterten die Schulen zu regelrechten Wettbewerben.

seidenraupen

Seidenraupenzucht in Sigleß. © Gemeindeamt Sigleß.

Der Jahresbericht 1943 informiert darüber: „Im Jahre 1943 wurden in 45 Schulen des Kreises Eisenstadt ungefähr 550 Gramm Brut ausgelegt und aufgezogen. Der Schlupf war allgemein recht gut, doch ging nach wenigen Tagen ein Drittel der gesamten Brutauslage ein. Auf Veranlassung des Gauobmannes für Seidenanbau mußte daher nochmals an diesen Schulen eine zweite Staffel ausgelegt werden, die dann meistens zum Erfolg führte. Durch die aufopferungsvolle Arbeit der Lehrer- und Schülerschaft konnten 1030 kg Kokongewicht erzielt werden. Die Schulkinder der Oberstufe von Sigleß haben allein 100 Gramm Brut bis zur zweiten und dritten Häutung aufgezogen, welche dann an sieben Schülergruppen von anderen Schulen abgegeben wurde. Dadurch gelang es, das Kokongewicht um rund 200 kg zu erhöhen, so daß der Kreis Eisenstadt von allen Ostmarkgauen an die erste Leistungsstelle emporgestiegen ist. Das beste Zuchtergebnis erzielten heuer die Kinder der Volksschule Sigleß, die aus 32 Gramm Brutauslage 86 kg Kokongewicht erreichten. Gute Renditen, 1:1500 und noch mehr, haben von 45 Schulen 24 aufzuweisen. Von der Reichsfachgruppe Seidenbauer Berlin wurden folgende Prämien verliehen: 1 Preis: 75 RM: Volksschule St. Margarethen; 2. Preis: 50 RM Volksschulen Hornstein, Sigleß, Kleinhöflein, Schützen a. G., Wulkaprodersdorf; 3. Preis: 25 RM Volksschulen Draßburg, Antau, Breitenbrunn, Eisenstadt, Neufeld a.d.L., Oggau, Oslip, Purbach, Rohrbach, Rust, Schattendorf, Trausdorf, Zagersdorf, Zemendorf und Zillingtal. Eine Erzeugungsprämie von 10 RM erhielt die Volksschule Müllendorf. Außerdem erhielten für besondere Leistungen (ab 15 kg erzieltes Kokongewicht) 20 Schulen 10 bis 70 kg Hühnerfutter und Zuchtleiter von 22 Schulen 4 bis 16 m Bouretteseidenstoffe, welche ohne Abgabe von Kleiderkartenpunkten zur Verteilung gelangten.“ (https://www.ns-pressearchiv.at/archiv/akte/k414-m001-a001)

2019-01-20T08:23:24+00:0020. Januar 2019|II. Weltkrieg|0 Kommentare

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