Anarchie nach Kriegsende
Das Kriegsgefangenenlager Frauenkirchen/Boldogasszony, in dem bis zu 30.000 Gefangene interniert waren, dürfte bereits Anfang November 1918 nicht mehr unter der Kontrolle des Militärs gewesen sein.
Das Kriegsgefangenenlager Frauenkirchen/Boldogasszony, in dem bis zu 30.000 Gefangene interniert waren, dürfte bereits Anfang November 1918 nicht mehr unter der Kontrolle des Militärs gewesen sein.
Moses Krausz, der Lehrer der jüdischen Schule in Frauenkirchen, wurde wie auch alle anderen Mitglieder der jüdischen Gemeinde Frauenkirchen verhaftet und zu Verhören zur Gestapo gebracht. Still erduldete er die Misshandlungen. Entrechtet und enteignet verbrachte er verzweifelte und schlaflose Nächte.
Gleich mit der Gründung der Nationalsozialistischen Partei erfolgte der Aufbau der NS-Jugendorganisationen „Hitlerjugend“ und Bund Deutscher Mädel (BDM) für die 14- bis 18-jährigen Mädchen. Die BDM-Uniformen waren jedoch nicht für alle Mädchen erschwinglich.
Mindestens 17.559 Burgenländer, fast jeder dritte, der eingezogen wurde, ließ sein Leben als Soldat der Deutschen Wehrmacht. Bei den Angehörigen und Freunden blieben Schmerz, Leid und Verzweiflung zurück. Als „Labsal“ gab es für die Hinterbliebenen einen „Trostbrief“ von den Gemeindeverantwortlichen.
Um das Ansehen der Roten Armee und der Sowjetunion nach den Wirren des Einmarsches im Frühjahr 1945 zu verbessern, waren die sowjetischen Militärbehörden bemüht, ein gutes Verhältnis zu den burgenländischen Behörden und der Bevölkerung herzustellen.
Der ungarischen Minderheit gehörten um 1938 rund 15.000 Menschen an, die in der Region Oberwart, Oberpullendorf und auf den Gutshöfen im Nordburgenland lebten. Die NS-Behörden schmiedeten 1941Pläne, die burgenländischen Ungarinnen und Ungarn in ihre „Urheimat“ Ungarn auszusiedeln.
Ein großes Gefahrenpotential stellten nach Kriegsende 1945 die verbliebenen Kriegsrelikte und Sprengkörper dar. In Frauenkirchen blieb bei Kriegsende ein ganzer Munitionszug stecken.
Über 250 Jahre existierte in Frauenkirchen eine jüdische Gemeinde, die durch die Machtübernahme der Nationalsozialisten zerstört wurde. Die Familie Rosenfeld floh 1938 nach Budapest. Im Sommer 1944 wurden Wilhelm und Margarethe Rosenfeld nach Auschwitz gebracht und dort umgebracht. Ihr Sohn Paul konnte mit Glück überleben.
Schon Anfang April 1938 wurden allen jüdischen Geschäftsleuten und Handwerkern die Schlüssel zu ihren Betrieben abgenommen, kleine Betriebe geschlossen und die Warenlager meist weit unter ihrem Wert abverkauft.
Der Neusiedler See-Radweg wird jährlich von tausenden Touristen und Radfahrfreunden befahren. Vor 120 Jahren wagten zwei Radsportbegeisterte diese Tour, wie die Neusiedler Wochenschau vom 25. August 1895 berichtet: