Die „ärmsten Stiefkinder“ und die Feuerwehr

In Langentahl zählte man in den 1930er Jahren rund 350 Einwohner. Für eine kleine finanziell schwache Gemeinde war es somit sehr schwierig, eine gut ausgerüstete Feuerwehr zu stellen. Aus diesem Grund suchte die Filialgemeinde aus dem Bezirk Oberpullendorf 1933 um eine Sammelgenehmigung an:
„Freiwillige Feuerwehr Langenthal
An die Löbl. Burg. Landesregierung in Eisenstadt
Bittgesuch
Die freiw. Feuerwehr in Langenthal bittet höflichst die hohe Burg. Landesregierung um eine Landessammlung bewilligen zu wollen.
Zur Begründung unserer Bitte geben wir folgendes an:
1) Vor einigen Jahren haben wir uns eine übertragene Feuerwehrhanddruckspritze angeschafft. Diese Spritze ist aber nur allein für unsere kleine Ortschaft geeignet, indem sie sehr schwer ist und wegen Mangel an Pferdebespannung nicht transportfähig.
2) Da in unserer Umgebung der kroatischen Gemeinden noch bisher keine Motorspritze vorhanden ist und die Wege von uns in diese Nachbargemeinden günstig sind haben wir die Absicht eine solche Motorspritze anzuschaffen.
3) Langenthal ist eine arme Filialgemeinde, zählt 64 Hausnummern. Da wir von unseren eigenen Kräften und von der politischen Gemeinde Nebersdorf zu dieser Spritze das nötige Geld nicht auftreiben können, sondern nur durch eine Landessammlung diesen Betrag aufbringen. [sic!] Wir ärmsten Stiefkinder der Gemeinden und des Landes ersuchen demütig um diese Bewilligung, damit auch eine arme Filialgemeinde eine kleine Motorspritze besitzen kann.
Unsere Bitte wiederholend
Ihre ergebenste Diener“
(BLA-Polizei 1933. 181-330. Zl. 275/1933)
Es folgten 19 Unterschriften. Der Kommandantstellvertreter war damals Franz Hodosi, zudem unterzeichneten das Ansuchen drei Personen mit dem Namen Horvath. Es darf angenommen werden, dass diese aus der Volksgruppe der Roma waren. In Langentahl lebten 331 Einwohner. Eine Zählung des burgenländischen Landesgendarmeriekommandos aus dem Jahr 1933 ergab eine Romabevölkerung von 187 Personen, rund die Hälfte der Einwohner. Für eine funktionierende Feuerwehr war es notwendig, dass alle Männer sich zur Verfügung stellten. Auch die Romabevölkerung der Gemeinde brachte sich dabei ein.

2019-05-19T10:57:15+00:0019. Mai 2019|Roma, Soziales|0 Kommentare

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