Nur die besten Weine für die Fremden

Mitte der 1950er Jahre war Eisenstadt immer noch sehr ländlich geprägt. Dies wurde auch dadurch offensichtlich, dass die Winzer der Stadt ihren Wein mittels Buschenschanken den Bewohnern und Besuchern der Stadt anboten. Zu den Pfingsttagen 1954 registrierte man 26 geöffnete Heurige in Eisenstadt – ohne die heutigen Stadtteile Kleinhöflein und St. Georgen. Die Fremdenverkehrsabteilung des Landes Burgenland machte sich bezüglich der Qualität des Weines Sorgen und ordnete eine Überprüfung an:

Buschenschenke in Eisenstadt-Oberberg vor 1938.

Buschenschenke in Eisenstadt-Oberberg vor 1938.

„Die Stadtgemeinde Eisenstadt erteilt anl. der Haydnfeierlichkeiten für Pfingst- Samstag, Sonntag und Montag die generelle Erlaubnis, ohne besondere Genehmigung, jedoch gegen formelle Anmeldung (40 S. Stempelgebühr) ausstecken zu dürfen.
Da an diesen Tagen mit einem besonderen Fremdenzustrom und Heurigenbesuch zu rechnen ist, hielt Herr LR Bögl eine Überprüfung der Buschenschenker für notwendig, da Erfahrung lehrt, daß die Hauer gerade an diesen Tagen bemüht sind, minderwertige Weine anzubringen. […] Die Hauer werden bei der Anmeldung aufmerksam gemacht, daß genügend Gläser vorhanden sein müssen (ev. entliehen von den 2 Geschäften) und die Schanklokale sauber zu halten sind, womöglich mit Blumen zu schmücken.“
Die Überprüfung der 26 Buschenschanken erfolgte gemeinsam mit Bundes-Kellereiinspektor, welche zumeist zufriedenstellende Ergebnisse brachte. Es gab nur drei Beanstandungen. So hieß es: „Nur beim Hauer X. mußten wegen Verdachtes der Weinverfälschung zwei größere Fässer vom Kellerinspektor versiegelt werden, desgleichen bei Y. ein Faß versiegelt und ein Gebinde beim Hauer Z. […]”
Überprüfung der Gastwirte: „[…] Beim Gastwirt XY wurde einwandfrei festgestellt, dass sich in der Schank nur eine Doppelliterflasche mit gewässerten Wein befand. Die Wässerung wurde von der dort bediensteten Hausgehilfin zugegeben, weshalb vom Kellereiinspektor die gerichtliche Anzeige erstattet worden ist. […]“
Ein Buschenschankgewerbe übten zu Pfingsten 1954 in Eisenstadt aus (exklusiv Kleinhöflein und St. Georgen) aus:
Werschlein Katharina, Kirchengasse 89
Schubaschitz Johann, Neusiedlerstraße 34
Höld Jakob, Haydngasse 36
Graf Anton, Pfarrgasse 26
Varga Agnes, Rusterstraße 20
Zinschitz Maria, Gloriettsiedlung
Tuma Luise, Florianigasse 24
Breyer Paula, Esterhazystraße 132
Kohl Christine, Hauptstraße 47
Payer Anton, Neusiedlerstraße 7
Koller Erwin, Hauptstraße 15
Wagner Maria, Vicedom 5
Mayer Matthias, Berggasse 10
Fleck Rudolf, Fanny Elßlergasse 1
Pfann Martin, Pfarrgasse 55
Reichenpfader Irma, Kirchengasse 109
Novak Wilhelm, Wienerstraße 7
Vogel Agnes, Pfarrgasse 9
Eder Paul, Haydngasse 22
Gerö Stefan, Hauptplatz 48
Masatschek, Pfarrgasse 6
Breyer, Esterhazyplatz
Mühlgassner, Esterhazylatz
Osinger Josef, Wienerstraße 129
Maly Emma, ?
und ein weiterer Buschenschankbetreiber (Schrift leider unleserlich)
(Burgenländisches Landesarchiv. Abt. 12. 1954. Zl. XII/6-140-54)

 

2019-10-03T07:47:19+00:0003. Oktober 2019|Landwirtschaft|0 Kommentare

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